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„Vielen Dank, dass Sie gekommen sind. Fahren Sie vorsichtig."
Estella lächelte, bis ihre Wangenmuskeln schmerzten. Die schwere Eichentür des Penthouses fiel ins Schloss und schnitt endlich die laute Jazzmusik und den erstickenden Geruch teurer Zigarren ab. Sie stieß einen langen Atemzug aus, und ihre Schultern sanken um einige Zentimeter. Zehn Jahre. Zehn Jubiläumsfeiern, die sie bis zur letzten gefalteten Serviette ausgerichtet hatte.
Sie drehte sich um, ihre Absätze klickten auf dem Marmorboden. Conrad stand an der Hausbar, den Rücken ihr zugewandt. Er zerrte bereits an seiner Krawatte und lockerte sie mit einer scharfen, aufgeregten Bewegung. In seiner Haltung lag keine Erleichterung, keine Wärme über einen gelungenen Abend. Nur dieselbe kalte Ungeduld, die er wie eine zweite Haut trug.
Jana glitt aus dem Esszimmer und hielt zwei halb leere Champagnerflöten in der Hand. Ihre jüngere Schwester lächelte, ein strahlendes, einstudiertes Aufblitzen weißer Zähne. „Wieder eine makellose Party, Schwesterherz. Conrad kann sich wirklich glücklich schätzen, dich zu haben."
Estella nickte, doch ein kalter Knoten bildete sich in ihrem Magen. Janas Augen waren nicht auf sie gerichtet. Sie waren auf Conrads Rücken fixiert und verweilten auf der Art und Weise, wie sich sein Hemd über seine Schultern spannte. Es war ein besitzergreifender Blick. Ein Blick, der auf dem Gesicht einer Schwester nichts zu suchen hatte.
„Ich bin erschöpft", sagte Conrad, ohne sich umzudrehen. Er schenkte sich einen Scotch ein, wobei die Eiswürfel hart gegen das Glas klirrten. „Ich gehe duschen."
„Ich kann beim Aufräumen helfen", bot Jana an und trat näher an Estella heran. Ihr Parfüm – Estellas unverkennbarer Duft, den Conrad ihr letztes Weihnachten geschenkt hatte – hing schwer in der Luft zwischen ihnen.
„Nein, geh nach Hause", sagte Estella, ihre Stimme fester, als sie sich fühlte. „Du hast genug getan."
Jana grinste spöttisch. Nur ein winziges Zucken ihrer Lippen, aber es war da. „Wenn du darauf bestehst. Gute Nacht, Conrad."
Conrad hob die Hand zu einem trägen Winken, ohne zurückzublicken. Jana schnappte sich ihren Mantel und ließ Estella allein im riesigen, stillen Wohnzimmer zurück. Die Stille drückte auf ihre Trommelfelle. Sie blickte auf die überquellenden Aschenbecher, die Kondenswasserringe auf dem antiken Mahagonitisch. Zehn Jahre ihres Lebens, diesem Mann gewidmet, und er hatte nicht einmal „Alles Gute zum Jahrestag" gesagt.
Sie musste es in Ordnung bringen. Sie versuchte immer, es in Ordnung zu bringen.
Estella ging in die Küche, ihr Refugium. Sie öffnete den Sub-Zero-Kühlschrank und holte den Ingwer und die Bio-Knochenbrühe heraus. Conrad trank bei diesen Veranstaltungen immer zu viel, und er wachte immer mit rasenden Kopfschmerzen auf, wenn sie ihm nicht ihre spezielle Suppe kochte. Es war ein Ritual. Ihre Finger bewegten sich automatisch, schälten, schnitten, köchelten. Der Geruch von Ingwer erfüllte die Luft, eine wohlige Wärme, die ihr normalerweise das Gefühl gab, nützlich zu sein.
Sie goss die klare, goldene Flüssigkeit in eine Porzellanschale und stellte sie vorsichtig auf ein silbernes Tablett. Sie stieg die Treppe hinauf, ihr Herz schlug ein wenig schneller. Vielleicht könnten sie heute Abend, nach der Suppe, wirklich miteinander reden. Vielleicht würde er erkennen, wie viel er ihr bedeutete.
Die Tür zum Hauptschlafzimmer stand einen Spalt breit offen. Ein Streifen warmen Lichts fiel in den Flur. Estella balancierte das Tablett mit einer Hand und stieß die Tür mit einem sanften Lächeln auf.
„Conrad, ich habe deine Lieblings-…"
Die Worte erstickten in ihrer Kehle.
Das Tablett kippte. Die Schale rutschte. Heiße Suppe schwappte über den Rand und verbrühte ihr Handgelenk, aber sie spürte es nicht. Sie konnte nichts unterhalb ihres Halses fühlen.
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