“An meinem zweiundzwanzigsten Geburtstag hielt ich meine Zukunft in den Händen: ein prestigeträchtiges Stipendium für das Max-Planck-Institut, für das ich meine gesamten Ersparnisse geopfert hatte. Doch meine Brüder entschieden, dass diese Zukunft unserer Adoptivschwester Eva gehörte. Sie nahmen jeden einzelnen Cent, den ich besaß, um für ihre „dringende" Schönheits-OP zu bezahlen. Als ich protestierte, nannten sie mich egoistisch und grausam. „Wenn du kein Mitgefühl zeigen kannst", höhnte mein Bruder Daniel, „dann verschwinde." Sie zogen die Krokodilstränen einer Lügnerin dem Traum ihrer eigenen Schwester vor. Tage später, während sie den luxuriösen Urlaub auf den Malediven machten, den sie mir immer versprochen hatten, sah ich die Bilder. Eva, strahlend und ohne eine einzige Narbe, lächelte zwischen meinen beiden fürsorglichen Brüdern. Meine Zukunft war für ihre Nasenkorrektur und einen Strandurlaub eingetauscht worden. Genau in diesem Moment kam der Anruf. Ein streng geheimes, fünfzehnjähriges medizinisches Forschungsprojekt. Kein Kontakt zur Außenwelt. Für manche wäre es eine lebenslange Haftstrafe gewesen. Für mich war es ein Rettungsanker. Ich packte eine einzige Tasche, ließ die Beweise für Evas Lügen auf dem Tisch liegen, damit meine Brüder sie finden würden, und ging für immer.”