“An unserem fünften Hochzeitstag fand ich den geheimen USB-Stick meines Mannes. Das Passwort war nicht unser Hochzeitstag oder mein Geburtstag. Es war der seiner ersten großen Liebe. Darauf befand sich ein digitaler Schrein für eine andere Frau, ein akribisch gepflegtes Archiv eines Lebens, das er vor mir geführt hatte. Ich suchte nach meinem Namen. Null Treffer. In fünf Jahren Ehe war ich nur ein Platzhalter gewesen. Dann holte er sie zurück. Er stellte sie in unserer Firma ein und gab ihr mein Herzensprojekt, das, in das ich zwei Jahre lang meine ganze Seele gesteckt hatte. Auf der Firmengala kündigte er sie öffentlich als neue Projektleiterin an. Als sie einen Unfall inszenierte und er sofort zu ihr eilte und mich anfuhr, erkannte ich endlich die Wahrheit. Er hatte mich nicht nur vernachlässigt; er erwartete von mir, dass ich seine öffentliche Hingabe an eine andere Frau schweigend ertrug. Er dachte, ich würde zerbrechen. Er lag falsch. Ich nahm mein unberührtes Glas Champagner, ging vor all seinen Kollegen direkt auf ihn zu und schüttete es ihm über den Kopf.”