Nach der Wiedervereinigung mit ihrer Familie heiratete Cheryl den Mann, den sie sieben Jahre lang heimlich geliebt hatte, und gab ihre Karriere auf, um die perfekte Ehefrau zu werden. Sie glaubte, alles zu haben, bis ihr Ehemann, ihre Eltern und ihr Bruder eine prunkvolle Hochzeit für ihre todkranke Schwester inszenierten und ihren Liebeskummer als egoistisch abtaten. Cheryl hinterließ die Scheidungspapiere und ging still fort. Erst danach erfuhr die ganze Welt, dass die unscheinbare Ex-Frau, auf die alle herabgesehen hatten, in Wahrheit eine legendäre Investorin, eine Meisterparfümeurin, eine gefeierte Violinistin und eine Bestsellerautorin war. Ihre Familie flehte sie demütig um Vergebung an. Der einst kaltherzige Mann klammerte sich an ihren Ärmel und bat verzweifelt:„Cheryl, bitte ... lass uns noch einmal heiraten.“ Doch sie weigerte sich, jemals zurückzublicken. „Hau ab. Männer halten mich nur zurück.“
Gegen sieben Uhr abends erstrahlte jeder Winkel des privaten Anwesens im Glanz blendender Lichter.
Am Eingang stand Cheryl Pearson. Mit ihrem einfachen Outfit wirkte sie inmitten der opulenten Umgebung völlig deplatziert.
Erst zwei Stunden zuvor hatte ihr Mann, Jeremy Barrett, sie angerufen. „Ich habe heute Abend ein wichtiges Meeting, komme also nicht nach Hause. Warte nicht auf mich.“
Anstatt an einem Geschäftstreffen teilzunehmen, stand er hier als Bräutigam neben einer anderen Frau.
Am Haupttisch saßen Cheryls eigene Eltern und ihr Bruder.
Verwandte und Freunde, die sowohl Cheryl als auch Jeremy gut kannten, waren um sie herum.
Doch selbst unter all diesen ihr vertrauten Gesichtern hatte ihr niemand von der Hochzeit erzählt.
Bei jedem Atemzug war der Duft frischer Rosen zu riechen, der sich mit einem tiefen Holzgeruch vermischte.
Das Parfüm, das die Luft erfüllte, hieß Surrender. Cheryl hatte es selbst kreiert und wollte es Jeremy als Hochzeitsgeschenk überreichen.
Dieser Duft, der einst für Hingabe und Zugehörigkeit stand, erfüllte nun den Ort der Hochzeit, an dem Jeremy eine andere Frau zur Braut nahm.
Am Ende des roten Teppichs trug Jeremy einen maßgeschneiderten weißen Anzug. Sein Blick ruhte sanft auf Danica, der Frau, die seit über zwanzig Jahren Cheryls Platz in der Familie Pearson eingenommen hatte.
Cheryl war die leibliche Tochter der Familie Pearson. Erst drei Jahre zuvor war sie nach langer Suche wieder mit ihnen vereint worden. Vor Jahren hatten Jeremys Großvater und Cheryls Großvater Seite an Seite gekämpft und versprochen, dass ihre Enkelkinder Jeremy und Cheryl eines Tages heiraten würden.
Aufgrund dieser Vereinbarung wurde Cheryl Jeremys Frau, sobald sie in die Familie Pearson zurückgekehrt war.
Was sonst niemand wusste: Jeremy lebte bereits seit sieben langen Jahren in Cheryls Herzen.
Sie hatte einst geglaubt, das Schicksal habe ihr endlich zugelächelt. Sie war fest davon überzeugt, den Rest ihres Lebens als die glücklichste Frau der Welt verbringen zu können.
Doch die Realität zerschmetterte diesen Traum ohne Gnade.
In ein weißes Hochzeitskleid gehüllt, hielt Danica Jeremys Arm fest. Sie wirkte so zerbrechlich, dass selbst ein sanfter Windstoß sie umzuwerfen schien.
Die sanften Klänge des Hochzeitsmarsches verstummten, als Cheryl den Saal betrat, und gingen in ein schrilles Kreischen über.
Einer nach dem anderen wandten sich alle Blicke ihr zu.
Das Lächeln auf den Gesichtern der Familie Pearson verschwand.
„Wie ist sie hierhergekommen?“
„Wir haben sichergestellt, dass ihr niemand etwas erzählt.“
„Wer hat das durchsickern lassen? Das wird alles ruinieren.“
Flüstern breitete sich durch die Menge aus, während alle Cheryl anstarrten.
Obwohl sie Jeremys rechtmäßige Frau war, wurde sie bei dieser Hochzeit so behandelt, als hätte sie keinen Platz.
Für einen kurzen Moment zeigte sich Überraschung in Jeremys Augen, als er sie bemerkte. Doch schnell nahm er seinen gewohnten ruhigen Ausdruck wieder an.
Nachdem er Danica einige tröstende Worte zugeflüstert hatte, legte er ihre Hand sanft in die der Brautjungfer, bevor er direkt auf Cheryl zuging.
Der vertraute Duft von Tannenholz wehte Cheryl entgegen.
Jahrelang war dieser Duft ihr liebster gewesen.
„Warum bist du hier?“, fragte er, stellte die Frage statt einer Erklärung.
Ihr Blick ruhte auf dem Mann, den sie die letzten sieben Jahre geliebt hatte.
Plötzlich wirkten seine scharfen Gesichtszüge, seine tiefen Augen und die kalte Linie seiner Lippen fremd.
Erst dann drang die grausame Ironie der Situation zu ihr durch.
„Warum sollte ich nicht hier sein?“ Cheryl antwortete ruhig, als sprächen sie über etwas Alltägliches. „Mein Mann heiratet heute eine andere. Habe ich nicht jeden Grund, zu kommen und meine Glückwünsche auszusprechen?“
Eine tiefe Falte bildete sich zwischen Jeremys Brauen und verriet seine Ungeduld, die er zu verbergen versucht hatte.
Ohne ein weiteres Wort griff er nach ihrem Handgelenk und führte sie in einen ruhigen Korridor abseits der Menge.
Nachdem er sichergestellt hatte, dass sie außer Sichtweite waren, ließ er endlich ihre Hand los.
„Cheryl, mach das nicht größer, als es schon ist“, sagte er.
Jeremy nahm eine Zigarette aus dem Etui in seiner Anzugtasche. Statt sie anzuzünden, rollte er sie zwischen seinen Fingern. „Danica hat nicht mehr viel Zeit. Die Ärzte haben bei ihr unheilbaren Leberkrebs diagnostiziert. Sie sagten, sie habe höchstens noch einen halben Monat zu leben.“
Keine einzige Emotion zeigte sich auf Cheryls Gesicht. „Und was hat das mit mir zu tun?“
„Vor ihrem Tod möchte sie nur noch eines: ein Hochzeitskleid tragen und meine Braut werden.“ Jeremy sah sie mit absoluter Sicherheit an. „Diese Hochzeit ist nicht rechtlich bindend. Es ist nur eine Inszenierung, um ihren letzten Wunsch zu erfüllen und ihr einen friedlichen Abschied zu ermöglichen. Das kannst du doch sicher verstehen.“
Einige Momente später sprach er erneut, in einem sanfteren Ton, der jedoch eher herablassend als tröstend klang. „Cheryl, es ist nichts weiter als eine Zeremonie. Musst du das wirklich jemandem vorhalten, der bereits im Sterben liegt?“
Cheryl verlagerte ihre Aufmerksamkeit auf den Rasen jenseits seiner Schulter. Dort lachten und plauderten die Gäste, als wäre nichts Ungewöhnliches.
In der Nähe hielt ihre Mutter, Laura Cheryl, Danicas Hand und wischte sanft ihre Tränen weg. Nicht weit entfernt beobachtete ihr Vater, Walter Pearson, Danica mit unverkennbarer Besorgnis.
Und ihr Bruder, Nicholas Pearson, blieb nah bei Danica und sprach ihr leise Trost zu.
Sie alle teilten Cheryls Blut, doch sie hatten sich heimlich mit der Adoptivtochter verbündet, um diese absurde Hochzeit mit ihrem eigenen Mann abzuhalten.
Am Ende war Cheryl die Einzige, die außerhalb der Wahrheit blieb.
Die Ironie war fast zum Lachen.
Obwohl ihre Augen zu brennen begannen, hielt sie hartnäckig ihre Tränen zurück.
Nachdem sie einen Moment gebraucht hatte, um sich zu fassen, schluckte sie den Schmerz in ihrer Brust hinunter. Dann hob sie den Blick, um Jeremys zu begegnen, und sprach mit erzwungener Fassung.
„Jeremy“, flüsterte sie. „Wenn diese Hochzeit nur eine Inszenierung ist, warum hast du sie dann vor mir geheim gehalten?“
Jeremys Gesicht verriet einen Hauch von Ungeduld, als sich seine Lippen strafften. „Hättest du es wirklich akzeptiert, wenn ich ehrlich zu dir gewesen wäre? Ich habe es dir nicht gesagt, damit du keine unnötigen Annahmen triffst. Außerdem ist Danica viel zu zerbrechlich, um emotionalen Rückschlägen standzuhalten. Ich konnte nichts zulassen, was sie aufregen könnte.“
Also hatte er große Anstrengungen unternommen, um Danica vor Kummer zu schützen, doch er sah nichts Falsches daran, seine eigene Frau zu täuschen.
Jeremy fand es akzeptabel, die Adoptivschwester seiner Frau in einer Zeremonie zu heiraten. Doch seine eigene Frau war es nicht einmal wert, die Wahrheit zu erfahren. Stattdessen sah er sie als jemanden, der jederzeit die Kontrolle verlieren und alles ruinieren könnte.
Ein kaltes Lächeln berührte Cheryls Lippen. „Jeremy, wenn ich heute Abend nicht aufgetaucht wäre, wann hättest du mir dann gesagt, was los ist?“
„Nachdem Danica gegangen ist“, antwortete Jeremy ohne die geringste Pause.
„Was ist mit allem dazwischen? Was passiert nach dieser Hochzeit?“
Ohne seinen Ausdruck zu ändern, antwortete er: „Ich werde bis zum Ende an ihrer Seite als ihr Mann bleiben. Das ist die Rolle, die ich versprochen habe zu spielen. Aber mach dir keine Sorgen. Ich weiß, wo die Grenzen sind, und ich werde sie nicht überschreiten.“
Um sich einen langen Mama-Moment zu gönnen, sah Cheryl einfach den gutaussehenden Mann vor sich an. Dann entwich ihr ein leises Lachen, das nichts als Spott enthielt.
Er war bereit, die Rolle des Mannes einer anderen Frau zu spielen.
Wo blieb sie dann?
Welchen Platz gab es noch für die Frau, die rechtmäßig seine Frau war?
„Wenn sie gegangen ist, wird alles wieder normal sein. Du wirst immer Frau Barrett sein und deinen Platz an meiner Seite nicht verlieren“, sagte Jeremy.
Seine Worte klangen für Cheryl nur noch absurder.
Schweigend hob sie den Blick zu dem gutaussehenden Mann vor sich.
In den letzten drei Jahren hatte sie unzählige Dinge geopfert, denn sie wollte nichts sehnlicher, als eine gute Frau für ihn zu sein.
Da sein Magen empfindlich war, verbrachte sie ihre Zeit damit, Rezepte zu lernen, die sanft, nahrhaft und auf seine Gesundheit abgestimmt waren.
Weil er nachts schlecht schlief, suchte sie nach Aromatherapie-Mischungen, die ihm zu mehr Ruhe verhelfen könnten.
Sie hatte immer geglaubt, ihre Aufrichtigkeit würde ihn schließlich erreichen. Selbst wenn sein Herz so kalt wie ein Eisberg war, dachte sie, dass ihre unerschütterliche Hingabe eines Tages vielleicht einen kleinen Teil davon schmelzen könnte.
Erst dann wurde Cheryl klar, dass all die Freundlichkeit und das Mitgefühl, die sie in ihm gesehen hatte, immer jemand anderem gegolten hatten.
Nur um den letzten Wunsch einer anderen Frau zu erfüllen, hatte er den Stolz seiner Frau beiseitegeworfen, als bedeute er nichts.
„Jeremy, du bist egoistischer, als ich es mir je vorgestellt habe.“
Ein tiefes Gefühl der Erschöpfung überkam Cheryl.
Die Leere in ihr war so überwältigend, dass ihr selbst das Atmen schwerfiel.
Anstatt zu weinen oder die Kontrolle zu verlieren, trat sie ihm mit stoischer Ruhe entgegen. „Ich will die Scheidung.“
Jeremys Finger hörten sofort auf, sich zu bewegen, als er diese Worte hörte. Die Zigarette blieb regungslos in seiner Hand.
Die verborgene Königin schlägt zurück
Beck Trelawney
Modern
Kapitel 1 Eine Absurde Hochzeit
27/07/2026
Kapitel 2 Er Würde Ihre Liebe Nie Wieder Bekommen
27/07/2026
Kapitel 3 Scheidungspapiere
27/07/2026
Kapitel 4 Eine Der Gründer Von G&c Kapital
27/07/2026
Kapitel 5 Cheryl, Willkommen Zurück
27/07/2026
Kapitel 6 Hatte Er Endlich Eine Chance
28/07/2026
Kapitel 7 Nichts Als Ein Emotionaler Ausbruch, Angeheizt Durch Eifersucht
29/07/2026
Kapitel 8 Cheryl Hat Die Familie Pearson Gerettet
30/07/2026
Kapitel 9 Jeremy Verteidigt Cheryl
30/07/2026
Kapitel 10 Die Königin Kehrt Endlich Zurück
30/07/2026
Kapitel 11 Er Hatte Nie Die Gleiche Aufmerksamkeit Für Sie Gehabt
30/07/2026
Kapitel 12 Gerüchte Im Büro
30/07/2026
Kapitel 13 Danicas Plan
30/07/2026
Kapitel 14 Ein Edelstein, Der Endlich Wieder Strahlte
30/07/2026
Kapitel 15 Nur Ein Freund
30/07/2026
Kapitel 16 Sie Will Nicht Mit Dir Gehen
30/07/2026
Kapitel 17 Danicas Intrige
30/07/2026
Kapitel 18 Entschuldige Dich Bei Danica
30/07/2026
Kapitel 19 Er Würde Ihr Nicht Glauben
30/07/2026
Kapitel 20 Als Hätte Er Cheryl Nie Wirklich Gekannt
30/07/2026
Kapitel 21 Im Bett
30/07/2026
Kapitel 22 Sie Ist Keine Anständige Person
30/07/2026
Kapitel 23 Schatz Alles Gute Zum Geburtstag
30/07/2026
Kapitel 24 Könntest Du Ihm Dieses Eine Mal Verzeihen
30/07/2026
Kapitel 25 Wir Können Uns Im Gerichtsgebäude Treffen
30/07/2026
Kapitel 26 Viraler Skandal
30/07/2026
Kapitel 27 Was Gibt Ihnen Das Recht
30/07/2026
Kapitel 28 Für Wen Hält Jeremy Dich Eigentlich
30/07/2026
Kapitel 29 Ihr Eine Lektion Erteilen
30/07/2026
Kapitel 30 Du Musst Nichts Tun
30/07/2026
Kapitel 31 Das Crestwick-Unterhaltung-Interview
30/07/2026
Kapitel 32 Chelsey Wird Mir Gehören
30/07/2026
Kapitel 33 Ich Kann Es Reparieren
30/07/2026
Kapitel 34 Hacker J
30/07/2026
Kapitel 35 Die Einzige Anerkannte Tochter Der Familie Pearson
30/07/2026
Kapitel 36 Die Öffentliche Meinung Hat Sich Komplett Gewandelt
30/07/2026
Kapitel 37 Es War Wirklich Nicht Absichtlich
30/07/2026
Kapitel 38 Cheryl Erhielt Eine Einladung
30/07/2026
Kapitel 39 Wieder Im Trend
30/07/2026
Kapitel 40 Richterin Und Teilnehmerin Zugleich
30/07/2026