Ich lag völlig erschöpft im Krankenhausbett und hatte gerade unter unfassbaren Schmerzen Zwillinge zur Welt gebracht. Doch mein Mann Julian war nicht da. Er hatte mich gezwungen, die Scheidungspapiere zu unterschreiben, weil meine Adoptivschwester Amelia ebenfalls von ihm schwanger war. Als ich ihn mit zitternden Fingern anrief, hörte ich nur das Klirren von Gläsern und Amelias melodisches Lachen im Hintergrund. "Was gibt es? Ich bin beschäftigt. Wir feiern Amelias neuen Filmvertrag", sagte er eiskalt und legte auf. Im überfüllten Mehrbettzimmer zerrissen mich die Blicke der Fremden. Sie flüsterten darüber, wie erbärmlich ich sei, abserviert für eine berühmte Schauspielerin. Er hatte mir vor der Geburt sogar gedroht, mich zur Abtreibung zu zwingen, wenn ich ihn nicht freigebe. Ich presste mein Gesicht ins Kissen und weinte stumm. Warum war er so grausam zu seinen eigenen Kindern? Mein ganzes Leben hatte ich zurückgesteckt, nur um am Ende völlig allein und weggeworfen zu werden. Bis der Chefarzt der Klinik plötzlich mit einem DNA-Test vor meinem Bett stand, Tränen in den Augen. Ich war nicht das ungeliebte Adoptivkind der Familie Hayes. Ich war die vor zweiundzwanzig Jahren entführte Tochter der mächtigen Milliardärsfamilie Beaumont. Als mein leiblicher Vater und meine drei einflussreichen Brüder in der Tür standen, um mich zu beschützen, wischte ich meine Tränen ab. Ich nahm mein Handy und tippte Julian eine letzte Nachricht. "Morgen um 10 Uhr am Standesamt. Wenn du nicht kommst, wird mein Anwalt übernehmen, und seine Bedingungen werden dir nicht gefallen."
Ein scharfer, durchdringender Schrei zerschnitt die sterile Luft des Kreißsaals, und unmittelbar darauf erklang ein zweiter.
Chloe Hayes' Sicht verschwamm, der Schweiß klebte ihr Haar an die Schläfen, und die Erschöpfung lastete wie ein physisches Gewicht auf ihren Knochen. Doch der Klang der Schreie ihrer Babys war ein Anker, der sie ins Leben zurückholte. Heiße, dicke Tränen verschleierten ihr die ohnehin schon trüben Lichter über sich.
Mit gütigem Lächeln legte die Hebamme die beiden warmen, zierlichen Säuglinge auf Chloes Brust. Deren Gewicht überraschte sie durch seine Festigkeit; ein winziger, pochender Herzschlag schlug gegen ihren eigenen erschöpften Rhythmus. Eine Welle der Liebe, so gewaltig, dass sie sich wie ein körperlicher Schlag anfühlte, brach über sie herein und raubte ihr den Atem.
Die Stimme der Hebamme klang wie ein beruhigender Balsam: „Sie haben ein entzückendes Zwillingspaar zur Welt gebracht, einen Jungen und ein Mädchen. Beide sind völlig gesund.“
Sie lächelte schwach und versuchte, die beiden Babys zu betrachten, die von den Hebammen umringt waren.
Vor dem Kreißsaal hielt eine Krankenschwester ein Baby und rief: „Wo ist Chloe Hayes' Familie? Wo sind Chloe Hayes' Eltern?“
Sie rief immer wieder, doch niemand antwortete.
Auf dem Krankenhausbett erbleichte Chloes Gesicht bei diesen Worten noch mehr.
War Julian etwa tatsächlich nicht gekommen? Obwohl sie am Scheidungsprozess waren, war er immer noch der biologische Vater der Kinder. Noch bevor sie in den Kreißsaal gebracht wurde, hatte sie ihn angerufen.
Völlig entkräftet und geschwächt lag sie nun im Krankenhausbett, und der Arzt sowie die Schwestern brachten sie rasch auf die Station. Doch anstelle der privaten VIP-Unterbringung, die Julian ihr versprochen hatte, wies man ihr ein gewöhnliches Mehrbettzimmer zu.
Auf der Station herrschte reger Betrieb. Neben ihr lagen drei weitere Gebärende in den übrigen Betten, und jede von ihnen wurde von mehreren Familienangehörigen betreut. Die einen kümmerten sich um ihre Frauen, andere beugten sich über die Babybetten, um die Neugeborenen zu mustern; auch frischgebackene Väter waren da, die ihre Kinder auf dem Arm hielten und liebevoll ansprachen. Auf allen Gesichtern lag ein glückliches Lächeln.
Dieser Betrüger! Es war ihr gleichgültig, wo sie untergebracht wurde, aber hatte er auch nur einen Gedanken an die Kinder verschwendet? Eisige Demütigung durchfuhr ihren ganzen Körper.
Chloe hatte unerwartet entbunden, und nun kümmerte sich niemand um sie. Sie konnte sich nicht allein um die Säuglinge kümmern, und die Schwestern hatten nicht ständig Zeit für sie. So beschloss sie schließlich, Julian um Hilfe zu bitten.
Eine Krankenschwester reichte Chloe ihr Telefon. Mit zitternden Fingern tastete sie über den Bildschirm, bis sie Julian Sterlings Namen in ihren Kontakten fand. Sein scharfgeschnittenes Geschäftsfoto, das er als Profilbild verwendete, schien sie vom Display herab zu verhöhnen.
Sie atmete tief und zitternd ein und drückte die Anruftaste. Was ihr entgegenschallte, war jedoch nicht seine Stimme, sondern das Chaos einer Party: laute Musik, klirrende Gläser und aufbrausendes Gelächter.
Dann kam endlich seine Stimme, scharf und ungeduldig: „Chloe? Was gibt es? Ich bin beschäftigt.“
Die Kälte in seinem Ton war ein vertrauter Schmerz. Sie kniff die Augen zusammen und zwang die Worte heraus: „Julian, die Babys … sie sind da.“
Einen Moment lang Stille am anderen Ende, gerade lang genug, dass ein Funken Hoffnung in ihrer Brust aufflammen konnte. Dann wurde er ausgelöscht: „In Ordnung. Schick die Einzelheiten meiner Assistentin. “
Bevor sie eine Antwort formulieren konnte, drang das hohe, melodische Lachen einer Frau durch den Hörer, ein Lachen, das sie aus unzähligen Klatschmeldungen kannte: Amelia Hayes.
Julians Stimme kehrte zurück, überlagert von einer herablassenden Höflichkeit, die schlimmer war als offene Wut: „Ich muss gehen. Wir feiern Amelias neuen Filmvertrag.“
Die Leitung war tot.
Der Wählton summte in ihrem Ohr, ein unerbittliches, mechanisches Geräusch, das sich anfühlte, als bohre es sich in ihren Schädel. Chloes Hand sank schlaff herab, das Telefon entglitt ihren Fingern und fiel auf das steife weiße Laken. Endlich kamen die Tränen – nicht laute, hysterische Schluchzer, sondern stille, erschütternde Beben, die ihren ganzen Körper durchliefen. Sie rollte sich auf die Seite, dem Fenster zugewandt, und presste ihr Gesicht in das dünne Kissen, um jedes Geräusch zu ersticken. Unerträglich war der Gedanken, dass die Frau hinter dem Nachbarvorhang sie hören könnte.
Der Vorhang auf der anderen Seite des Zimmers wurde zurückgezogen, denn Besuchszeit kam. Eine ausgelassene Familie strömte herein, ihr fröhliches Geplapper erfüllte den kleinen Raum. Chloe zog ihren eigenen Vorhang fester zu, eine dünne Barriere gegen ihre Freude. Doch die Stimmen drangen durch.
„Schau dir die im nächsten Bett an“, sagte eine Frau mittleren Alters, ihre Stimme ein Bühnenflüstern, „so erbärmlich. Sie hat gerade entbunden, und ihr Mann ist nicht einmal hier.“
Ein jüngeres Mädchen antwortete: „Ist das nicht Chloe Hayes? Die, die in die Sterling-Familie eingeheiratet hat?“
„Genau die!“, bestätigte die Frau, ihre Stimme sank verschwörerisch. „Die Zeitungen schreiben, dass Julian Sterling sie wegen dieser Schauspielerin namens Amelia Hayes scheiden lassen wird.“
„Ich habe gehört, Amelia ist auch schwanger“, fügte das Mädchen hinzu, „das wird ein Drama.“
Jedes Wort war ein frischer Schnitt, ob Mitleid oder Bosheit, ein grausamer Cocktail von Fremden.
Tatsächlich wussten nicht viele Menschen von ihrer Ehe, da Julian sich immer weigerte, sie in sein Leben einzubeziehen. Gelegentlich hatten einige wenige sie durch bestimmte Kanäle gesehen und erfahren, wer sie war. Aber was nützte das? Sie lächelte bitter. Selbst wenn sie eine Schauspielerin wie Amelia würde und jedem bekannt wäre, war es immer noch möglich, dass niemand sie als Julians Frau erkennen würde.
Chloe presste die Hände auf die Ohren, doch sie konnte die Stimmen nicht ausblenden. Sie kniff die Augen zusammen, und die Dunkelheit hinter ihren Lidern war eine willkommene Erleichterung.
Ein leises Rollen von Rädern durchbrach ihr Elend. Eine Krankenschwester schob ein durchsichtiges Plastikbabybett an ihr Bett, dann ein zweites; die beiden schlafenden Säuglinge wurden neben sie gelegt.
Chloes Schluchzen stockte. Sie richtete sich auf, ihre schmerzenden Muskeln protestierten, und blickte auf ihre Kinder. Deren Gesichter waren so neu, so vollkommen. Der Junge hatte ihre Stirn, ein ernstes kleines Stirnrunzeln selbst im Schlaf. Das Mädchen besaß eine zarte Nase, die ein exaktes Abbild von Julians Nase war.
Sie streckte zögernd einen Finger aus – ihr Nagel war abgebissen und kurz – und strich sanft über die Wange ihrer Tochter. Die Haut fühlte sich unglaublich weich an. In diesem Moment verschob sich etwas in ihr. Ein Fundament aus Stahl begann sich zu bilden, wo zuvor nur Schutt gewesen war. Sie war nicht länger nur eine Ehefrau, die auf einen Mann wartete, der sie niemals lieben würde. Sie war eine Mutter.
Sie wischte sich die Tränen mit dem Handrücken aus dem Gesicht. Ihr Blick, einst voller Verzweiflung, trug nun eine neue harte Entschlossenheit. Für sie und für diese beiden winzigen hilflosen Wesen musste sie stark sein.
Sie nahm ihr Telefon wieder in die Hand, aber nicht um Julian anzurufen. Sie scrollte stattdessen durch ihre Kontakte, auf verzweifelter Suche nach einem Freund, einem Rettungsanker. Ihr Finger strich an Geschäftskontakten für die Sterling-Familie vorbei, an Nummern der Speiseversorger und Floristen aus einem Leben, das nicht mehr ihres war.
Das Scrollen stoppte. Der Bildschirm leuchtete mit Namen von Menschen, die nicht ihre Menschen waren. Sie hatte Jahre damit verbracht, in Julians Welt zu passen, und dabei ihre eigene ausgelöscht. Sie war absolut allein.
Die verschmähte Ehefrau kehrt als Milliardärserbin zurück
Forever
Romantik
Kapitel 1
20/07/2026
Kapitel 2
20/07/2026
Kapitel 3
20/07/2026
Kapitel 4
20/07/2026
Kapitel 5
20/07/2026
Kapitel 6
20/07/2026
Kapitel 7
20/07/2026
Kapitel 8
20/07/2026
Kapitel 9
20/07/2026
Kapitel 10
20/07/2026
Kapitel 11
20/07/2026
Kapitel 12
20/07/2026
Kapitel 13
20/07/2026
Kapitel 14
20/07/2026
Kapitel 15
20/07/2026
Kapitel 16
20/07/2026
Kapitel 17
20/07/2026
Kapitel 18
20/07/2026
Kapitel 19
20/07/2026
Kapitel 20
20/07/2026
Kapitel 21
20/07/2026
Kapitel 22
20/07/2026
Kapitel 23
20/07/2026
Kapitel 24
20/07/2026
Kapitel 25
20/07/2026
Kapitel 26
20/07/2026
Kapitel 27
20/07/2026
Kapitel 28
20/07/2026
Kapitel 29
20/07/2026
Kapitel 30
20/07/2026
Kapitel 31
20/07/2026
Kapitel 32
20/07/2026
Kapitel 33
20/07/2026
Kapitel 34
20/07/2026
Kapitel 35
20/07/2026
Kapitel 36
20/07/2026
Kapitel 37
20/07/2026
Kapitel 38
20/07/2026
Kapitel 39
20/07/2026
Kapitel 40
20/07/2026