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Das Wellington-Steak thronte in der Mitte des Mahagoni-Esstisches, kalt, grau, ein Denkmal für verschwendete Zeit.
Isabella streckte die Hand aus und rückte den Teller zum zehnten Mal zurecht. Ihre Fingerspitzen strichen über das Porzellan, und sie zitterten leicht. Sie richtete die Silbergabel aus, bis sie perfekt parallel zum Messer lag.
Die alte Standuhr im Flur schlug. Der Klang war schwer und drang durch die Stockwerke des Herrenhauses in Beacon Hill. Mitternacht war gekommen.
Der Tag war vorbei. Ihr Geburtstag war vorbei.
Isabella zog ihre Hand zurück und strich sich eine verirrte Haarsträhne hinter das Ohr. Die Stille im Haus war erdrückend. Es war nicht nur leise; es war ein dichtes, physisches Gewicht, das auf ihre Brust drückte und ihr das Atmen erschwerte.
Sie blickte an ihrer Kleidung herab. Ein einfaches Baumwollkleid, vor drei Jahren in einem Billigladen in Southie gekauft. Es war weich, abgetragen und in diesem Raum, der nach Bienenwachs und altem Geld roch, völlig fehl am Platz.
Das scharfe Piepen des Fingerabdruckschlosses der Haustür durchbrach die Stille.
Isabella stand sofort auf. Der Stuhl scharrte mit einem unangenehmen Kreischen über den Boden, was sie die Stirn runzeln ließ. Sie glättete die Falten ihres Kleides. Ihr Herz hämmerte in ihrem Brustkorb wie ein gefangener Vogel.
Hamilton betrat das Esszimmer.
Er brachte den kalten Wind mit sich. Er trug einen dunklen Wollmantel, der mehr wert war als das Haus, in dem sie aufgewachsen war. Sein Kiefer war angespannt, seine Augen musterten den Raum, ohne ihn wirklich zu sehen. Oder sie zu sehen.
Ein Duft hing an ihm. Nicht die klare Winterluft. Vanille und teurer Moschus.
Cubas Parfüm.
Isabella schluckte, ihre Kehle schnürte sich zu. Sie griff nach der kleinen Geschenkbox auf dem Beistelltisch. Darin war ein Schal, an dem sie zwei Monate lang gestrickt hatte. Kaschmir, weiches Grau, passend zu seinen Augen.
„Hamilton", sagte sie. Ihre Stimme war dünn, fast ein Flüstern. „Ich habe gewartet."
Hamilton sah sie nicht an. Er ging direkt zur Kristallkaraffe auf dem Sideboard. Bernsteinfarbene Flüssigkeit schwappte in ein Glas. Er trank es in einem Zug, die Bewegung scharf und wütend.
„Ich brauche kein Empfangskomitee, Isabella", sagte er mit dem Rücken zu ihr. „Und ich brauche kein Geschenk. Ich brauche nur, dass du mir fünf Minuten aus dem Weg gehst."
Isabella trat einen Schritt vor und umklammerte die Schachtel fest. „Es ist … das dritte Jahr. Unser Jahrestag. Und mein Geburtstag."
Hamilton drehte sich um.
Sein Gesicht war eine Maske aus Erschöpfung und Verachtung. Er sah sie an, als wäre sie ein Fleck auf seinem makellosen Teppich.
„Unsere Ehe ist eine Transaktion", sagte er. Seine Worte waren präzise und schnitten wie ein Skalpell durch die Luft. „Hör auf zu versuchen, daraus einen Liebesroman zu machen. Du brauchtest Studiengebühren. Ich brauchte eine Frau, die keine Fragen stellt. Spiel dich nicht so auf."
Isabella spürte, wie ihr das Blut aus dem Gesicht wich. Ihre Finger verkrampften sich taub um die Geschenkbox.
Bevor sie antworten konnte, summte eine Vibration auf der Mahagoni-Oberfläche des Sideboards. Hamiltons Handy.
Der Bildschirm leuchtete auf. Cuba Hayden.
Hamiltons Gesichtsausdruck veränderte sich augenblicklich. Die kalte Maske zerbrach und wurde durch eine panische, unverstellte Sorge ersetzt, die Isabella noch nie bei ihm ihr gegenüber gesehen hatte.
Er riss das Handy an sich. „Cuba? Wo bist du?"
Er lauschte einen Moment, seine Fingerknöchel traten weiß hervor, als er das Gerät umklammerte.
„Beweg dich nicht", sagte er, seine Stimme sank zu einem leisen Murmeln, durchzogen von Angst und Zärtlichkeit. „Ich komme. Ich bin sofort da. Hab keine Angst."
Er legte auf, griff nach seinen Schlüsseln. Er sah nicht auf den Tisch. Er sah nicht auf das kalte Abendessen. Und er sah seine Frau nicht an.
Er drehte sich um und rannte zur Tür.
„Hamilton!", rief Isabella. Sie ließ die Schachtel fallen. Sie schlug mit einem dumpfen Geräusch auf dem Boden auf. „Bitte! Nur heute Nacht!"
Er hielt nicht an. Die schwere Eichentür schlug zu, der Klang hallte wie ein Pistolenschuss wider.
Isabella rannte.
Sie dachte nicht nach. Sie rannte einfach. Sie jagte ihm in die bittere Nacht von Boston nach. Ihre Pantoffeln klatschten auf die vereiste Einfahrt.
„Hamilton!"
Die eisernen Tore des Anwesens standen offen. Draußen zündete eine Wand aus Blitzlichtern.
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