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Dr. Evans schob den Biopsiebericht über die kalte Metalloberfläche des Schreibtisches. Sein Gesicht war ernst, die Linien um seinen Mund waren straff gezogen.
Das Dokument glitt auf Aretha zu und hielt nur wenige Zentimeter vor ihren Händen an. Ein roter, streng vertraulicher Stempel starrte sie aus der oberen rechten Ecke an.
Arethas Blick fiel auf den unteren Rand der Seite. Die Worte verschwammen für eine Sekunde, bevor sie sich in einen brutalen, unbestreitbaren Fokus auflösten.
Fortgeschrittener Magenkrebs. Begleitet von seltenem Organversagen.
„Die Krebszellen breiten sich mit einer unnatürlichen Geschwindigkeit aus", sagte Dr. Evans, seine Stimme sank zu einem leisen, klinischen Murmeln. „Und gleichzeitig findet ein bizarrer, totaler Zusammenbruch Ihres Immunsystems statt."
Ein heftiger Krampf erfasste Arethas Magen. Es war kein dumpfer Schmerz. Es war ein physisches Verdrehen ihrer Organe, das sie zwang, die ledernen Armlehnen ihres Stuhls so fest zu umklammern, bis ihre Knöchel ein krasses, knochenweiß annahmen.
„Wir müssen Sie sofort aufnehmen", fuhr Dr. Evans fort und beugte sich vor. „Eine aggressive zielgerichtete Therapie ist unsere einzige Möglichkeit, zu versuchen, Ihr Leben zu verlängern."
Aretha schüttelte langsam den Kopf. Ihr Gesicht war völlig farblos. Ein bitteres, hohles Lächeln umspielte ihre Lippen.
Sie wusste genug über Biologie, um zu verstehen, dass bei diesem Grad des systemischen Versagens die aktuellen medizinischen Behandlungen ihr nur noch wenige Monate qualvoller, bettlägeriger Tortur bieten würden.
Ihre Finger zitterten, als sie den Bericht aufhob. Es war das Stück Papier, das ihr diktierte, dass ihr nur noch neunzig Tage zum Atmen blieben.
Sie faltete es. Einmal. Zweimal. Ihre Bewegungen waren langsam, völlig mechanisch, als sie es tief in das versteckte Fach ihrer Hermes-Handtasche steckte.
Aretha stand auf und stieß die schwere Eichentür des Sprechzimmers auf.
Der beißende, frühe Winterwind Manhattans drang durch die Flurfenster, glitt ihren Kragen hinunter und ließ den Schweiß auf ihrem Nacken gefrieren.
Sie stand allein vor den Aufzugsgruppen. Die polierten Metalltüren spiegelten ihr Gesicht wider – blass, eingefallen, wie ein Geist, der noch nicht ganz realisiert hatte, dass er tot war.
Ein massives, erstickendes Gefühl der Absurdität überkam sie.
Plötzlich vibrierte ihre Handtasche. Ein schriller, scharfer Klingelton zerriss die Totenstille des Klinikflurs.
Aretha zog ihr Telefon heraus. Der Bildschirm leuchtete mit dem Namen ihres Mannes auf: Anders Bartlett.
Sie atmete tief ein, kämpfte gegen das Zittern in ihrer Lunge und wischte, um anzunehmen.
„Wo zum Teufel steckst du?", bellte Anders' Stimme aus dem Lautsprecher. Kalt. Ungeduldig.
Es gab keine Frage nach ihrem Arzttermin. Keine Sorge um die Untersuchung, von der sie ihm gesagt hatte, dass sie sie heute hatte.
„Hast du überhaupt eine Ahnung, wie lächerlich du diese Familie heute aussehen lassen hast?", verlangte Anders, sein Ton triefte vor Ekel. „Kellies Yacht-Geburtstagsparty schwänzen? Wirklich, Aretha?"
Durch den Hörer hörte Aretha den lauten, wummernden Bass der Yachtparty im Hintergrund. Sie hörte das Klirren von Champagnergläsern.
Und dann hörte sie Kellies sanfte, falsche Stimme im Hintergrund jammern. Anders, schrei sie nicht an, es ist meine Schuld.
Der verdrehende Schmerz in Arethas Magen verdoppelte sich, sodass sie sich leicht krümmte.
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