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Die Kristallflöte in Eliza Solomons Hand drohte zu zerspringen.
Sie konnte die Haarrisse im Glas spüren, die gegen ihre Handfläche drückten – ein perfektes Spiegelbild dessen, wie sich ihre Brust anfühlte: eng, zerbrechlich und nur einen Atemzug davon entfernt, zu explodieren.
„Er sieht glücklich aus, nicht wahr?“
Die Stimme kam von ihrer Linken. Eine Dame der Gesellschaft in smaragdgrüner Seide, jemand, den Eliza gekannt hatte, bevor das Solomon-Imperium zerfiel, bevor sie zum bemitleidenswerten Mündel der Familie Hyde wurde. Sie waren nicht nur ihre Vormünder; sie waren die eisenharten Treuhänder des Solomon-Vermögens, ein riesiges Vermögen, das sie nicht anrühren durfte, bis sie fünfundzwanzig wurde oder heiratete. Anson kontrollierte als Haupttreuhänder jeden einzelnen Dollar.
Eliza antwortete nicht. Sie konnte nicht. Ihre Kehle hatte sich irgendwann zwischen dem Vorspeisengang und dem Moment zugeschnürt, als Anson Hyde mit Claudine Chapman am Arm den Ballsaal betrat.
Anson sah mehr als nur glücklich aus. Er sah siegreich aus.
Er stand in der Mitte des Raumes, unter dem riesigen Kronleuchter, der mehr kostete als Elizas gesamtes Studium. Seine Hand ruhte in Claudines Kreuz, seine Finger besitzergreifend auf dem weißen Stoff ihres Kleides gespreizt. Er beugte sich zu ihr hinunter und flüsterte ihr etwas ins Ohr, das Claudine dazu brachte, den Kopf in den Nacken zu werfen und zu lachen.
Der Klang war scharf. Er schnitt durch die schwere Orchestermusik und bohrte sich direkt hinter Elizas Rippen.
Es war dasselbe Lachen, das Claudine aufsetzte, wenn sie sich über Elizas gebrauchte Schuhe lustig machte.
„Entschuldigen Sie“, murmelte ein Kellner und stieß mit einem schweren Tablett gegen Elizas Schulter.
Champagner schwappte über den Rand ihres Glases und tränkte das Mieder ihres grauen Kleides. Er war kalt und klebrig.
Der Kellner entschuldigte sich nicht. Er warf ihr einen Blick zu, erkannte sie als den Wohltätigkeitsfall und verzog spöttisch die Lippen, bevor er weiterging, um die Gäste zu bedienen, die wirklich zählten.
Elizas Magen verkrampfte sich. Die Demütigung war ein physisches Gewicht, das auf ihre Schultern drückte, bis sich ihre Knie schwach anfühlten. Sie brauchte Luft. Sie musste von hier weg, durfte nicht zusehen, wie der Junge, der die Schlüssel zu ihrem goldenen Käfig hielt, seine Verlobung mit dem Mädchen bekannt gab, das diesen Käfig zur Hölle auf Erden gemacht hatte. Das Versprechen, sie zu „beschützen“, war immer eine Lüge gewesen. Es war ein Versprechen, sie zu besitzen.
Sie drehte sich um und ging in Richtung Bibliothek, den Kopf gesenkt.
Die Bibliothek war dunkel und roch nach altem Papier und Zitronenpolitur. Es war der einzige Raum im Anwesen der Hydes, in dem sich Eliza jemals sicher gefühlt hatte. Sie schloss die schwere Eichentür hinter sich und lehnte ihre Stirn gegen das Holz, nach Luft ringend. Ihre Lungen brannten.
Die Türklinke drehte sich in ihrer Hand.
Eliza sprang zurück und wischte sich hektisch die Augen. Sie erwartete Anson. Sie erwartete, dass er hereinkommen und ihr sagen würde, sie solle aufhören, eine Szene zu machen, für die Kameras zu lächeln und dankbar für das Dach über dem Kopf zu sein.
Aber die Gestalt, die den Türrahmen ausfüllte, war nicht Anson.
Es war ein Mann wie eine Wand in einem schwarzen Smoking, der das gedämpfte Licht des Raumes zu verschlucken schien. Er war größer als Anson, breiter, und hatte eine Stille an sich, die die Luft in der Bibliothek um zehn Grad abkühlen ließ.
Dallas Koch.
Eliza stockte der Atem. Warum war er hier? Der CEO von Koch Industries, der mächtigste Mann der Stadt, versteckte sich nicht in Bibliotheken. Er sah Leute wie Eliza nicht einmal an.
Er stand da, seine Hand immer noch auf dem Messingknauf, und seine dunklen Augen musterten ihr Gesicht. Er nahm den Champagnerfleck auf ihrem Kleid wahr, die roten Flecken auf ihren Wangen und die Art, wie ihre Hände so heftig zitterten, dass die Kristallflöte klirrte.
Für eine Sekunde bekam die stoische Maske, die er trug – die ihn wie eine aus Granit gehauene Statue aussehen ließ – einen Riss. Ein Muskel in seinem Kiefer zuckte.
Er trat ein und schloss die Tür, wodurch der Lärm der Party ausgesperrt wurde.
Er griff in seine Brusttasche und zog ein Taschentuch hervor. Es war aus weißer Seide, zu einem perfekten Quadrat gefaltet. Wortlos hielt er es ihr hin.
Eliza starrte es an. „Ich ... mir geht es gut.“
„Ihnen geht es nicht gut“, sagte Dallas. Seine Stimme war ein tiefes Grollen, das in dem stillen Raum vibrierte. „Nehmen Sie es.“
Eliza streckte die Hand aus. Ihre Finger streiften seine Handfläche, als sie die Seide nahm. Ein Ruck statischer Elektrizität knisterte zwischen ihnen, scharf und überraschend. Sie zuckte zusammen, aber er rührte sich nicht.
Das Taschentuch roch nach Sandelholz und etwas Sauberem, wie Regen auf Asphalt. Es roch teuer. Es roch nach Stabilität.
Aus dem Flur drang Ansons Stimme durch das dicke Holz der Tür. Er brachte einen Toast aus.
„... auf meine wunderschöne Verlobte, Claudine ...“
Die Worte waren wie ein physischer Schlag in Elizas Kniekehlen. Ihre Beine gaben nach.
Sie schlug nicht auf dem Boden auf.
Dallas bewegte sich mit einer Geschwindigkeit, die für einen Mann seiner Größe unmöglich schien. Im einen Moment stand er noch einen Meter entfernt, und im nächsten schlang sich sein Arm um ihre Taille und fing sie auf.
Sein Griff war fest. Solide. Er hielt sie mühelos aufrecht, sein Arm wie eine Stahlstange an ihrer Wirbelsäule.
Eliza blickte auf. Ihr Blick verschwamm vor Tränen und ließ seine Züge verschwimmen, aber sie konnte die Intensität in seinen Augen sehen. Er sah sie nicht mit Mitleid an. Er sah sie mit einer erschreckenden Art von Konzentration an.
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