Von der Liebe verraten: Die Rache des Genies

Von der Liebe verraten: Die Rache des Genies

Chiquia Olmstead

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Drei Jahre lang wurde Ella von ihrer eigenen milliardenschweren Familie in der geschlossenen Psychiatrie weggesperrt. Heute holte ihr ältester Bruder Leland sie endlich heraus. Aber nicht aus Mitleid. Er warf ihr Entlassungspapiere hin und zwang sie, auf der pompösen Geburtstagsgala ihrer Schwester Ashlyn vor der gesamten New Yorker Elite auf die Knie zu gehen. Ella sollte sich für ein Verbrechen entschuldigen, das sie nie begangen hatte. Ashlyn hatte sich damals selbst betäubt, um ihr die Schuld in die Schuhe zu schieben. Auf der Bühne spielte Ashlyn erneut das perfekte Opfer und ließ sich absichtlich fallen, um Ella als gewalttätige Psychopathin darzustellen. Ihr zweitältester Bruder Ivan lauerte Ella danach auf und würgte sie auf einer dunklen Terrasse fast zu Tode. Als ihre leibliche Mutter sie fand, interessierte sie sich nicht für Ellas blutunterlaufene Augen oder ihre Atemnot. „Deck das ab, der Aktienkurs stürzt sonst ab!" Die Mutter befahl der Visagistin kalt, die Spuren zu übermalen, und stieß Ella zurück ins Rampenlicht. Ella verbeugte sich im fahlen Licht und ertrug den Hass der Menge. Warum verabscheute ihre Familie sie so sehr? Warum beschützten sie ein manipulatives Monster und behandelten Ella, die echte Tochter, schlimmer als Straßenmüll? In diesem Moment, als der dicke Concealer die brutalen Würgemale auf ihrem Hals erstickte, riss der letzte Faden der Hoffnung. Für Ella waren diese Menschen heute Nacht endgültig gestorben. Ihre SAT-Prüfung war in zwei Wochen. Sie würde nicht nur aus diesem Gefängnis entkommen, sie würde ihr makelloses Imperium von innen heraus zerstören.

Von der Liebe verraten: Die Rache des Genies Kapitel 1

Der Morgennebel in Upstate New York klammerte sich wie eine nasse, graue Decke an die vergitterten Fenster des Pine Ridge Sanatoriums.

Ella Campbell saß auf dem kalten Linoleumboden ihres Isolierzimmers. Sie zog die Knie an ihre Brust. Der dünne, verwaschene Krankenhauskittel bot keinen Schutz vor der feuchten Kälte, die durch die Betonwände sickerte.

Sie starrte auf die kahle Wand vor sich. In ihrem Kopf leitete sie einen Beweis-Zweig der Riemannschen Vermutung her. Komplexe Variablen und Formeln errichteten einen undurchdringlichen Palast in der Dunkelheit ihres Geistes, die einzige Möglichkeit, die Stille davon abzuhalten, sie bei lebendigem Leib zu verschlingen.

Ein schweres, metallisches Klacken hallte durch den kleinen Raum. Der Riegel wurde zurückgeschoben.

Die schwere Stahltür wurde aufgestoßen. Martha, die leitende Pflegerin, marschierte herein. Ihre dicken Gummisohlen quietschten auf dem Boden. Sie trug ein Plastiktablett.

Der Geruch stieg Ella sofort in die Nase. Es war ein säuerlicher Geruch von verrottendem Fisch, gemischt mit gekochtem Kohl.

Martha knallte das Tablett auf den kleinen, zerkratzten Plastiktisch. Das graue, matschige Essen schwappte über die Ränder.

„Iss, Prinzesschen", höhnte Martha. Ihre Stimme klang wie schleifendes Sandpapier. „Immer noch nur ein Stück Müll, das deine reiche Familie weggeworfen hat. Nicht mal ein Anruf in drei Jahren."

Ella blinzelte nicht. Sie sah nicht auf das Tablett. Sie hielt ihren Blick starr auf den Riss in der Wand gerichtet, während sie im Kopf die Ableitung einer Polynomfunktion durchging.

Ihr Schweigen war eine Mauer, die Martha nicht durchbrechen konnte. Es ließ das Gesicht der älteren Frau in einem hässlichen Lilaton anlaufen.

„Sieh mich an, wenn ich mit dir rede!"

Martha stürzte vor. Ihre dicken Finger krallten sich in den Ansatz von Ellas dunklem, ungewaschenem Haar.

Ellas Kopfhaut brannte. Ein stechender Schmerz schoss ihr in den Nacken, als Martha ihren Kopf zurückriss und sie zwang, erst zur Decke und dann auf das faulige Essen hinunterzusehen.

„Sieh dir dein Frühstück an, du verrückte Schlampe!", spuckte Martha.

Ellas Augen blieben vollkommen reglos. Sie sah Martha mit einem Blick an, der so kalt, so erschreckend ruhig war, dass der Atem der Pflegerin stockte. In den Augen der Neunzehnjährigen lag keine Angst. Nur eine tote, leere Berechnung.

Marthas Griff lockerte sich für den Bruchteil einer Sekunde. Die unheimliche Gelassenheit verunsicherte sie. Um ihren plötzlichen Anflug von Angst zu überspielen, hob Martha ihre dicke, schwielige Hand, bereit, den Trotz aus Ellas Gesicht zu schlagen.

Das scharfe, rhythmische Klicken von maßgefertigten Lederhalbschuhen hallte durch den Flur.

Die Schritte hielten direkt vor der offenen Tür an.

Eine große Gestalt blockierte das grelle Neonlicht aus dem Korridor. Leland Campbell stand in der Tür. Sein maßgeschneiderter Tom-Ford-Anzug wirkte inmitten der abblätternden Farbe der Anstalt brutal deplatziert.

Martha ließ Ellas Haar sofort los. Sie sprang zurück, als hätte der Boden Feuer gefangen.

„Mr. Campbell!", quäkte Martha mit einer widerlich süßlichen Stimme. Sie wischte sich die Hände an ihrer Arbeitskleidung ab.

Lelands eisiger Blick wanderte schließlich zu der Pflegerin und fixierte sie. Sein Kiefer spannte sich in absolutem Ekel beim Anblick einer bezahlten Angestellten, die Hand an ein Mitglied seiner Blutlinie legte, ungeachtet seines eigenen Hasses auf sie. „Sie sind gefeuert", konstatierte Leland, seine Stimme eine tödliche, leise Klinge. „Ich bezahle nicht für unzivilisierte Inkompetenz. Und jetzt raus."

Er rückte seinen teuren Platin-Manschettenknopf zurecht. Er schnippte mit dem Handgelenk in Richtung des Flurs.

Martha huschte hinaus, ihr Gesicht blass vor plötzlichem Schrecken, und zog die Tür hinter sich zu.

Leland blickte auf Ella hinab. Sein Blick wanderte über ihre nackten, schmutzigen Füße, den übergroßen Kittel und die roten Striemen, die sich auf ihrer Kopfhaut bildeten. Seine Oberlippe kräuselte sich vor Abscheu.

„Drei Jahre in diesem Höllenloch, und du siehst immer noch aus wie ein wildes Tier", sagte Leland. Seine Stimme war geschmeidig, flach und völlig frei von brüderlicher Zuneigung.

Ella legte ihre Hände flach auf den kalten Boden. Langsam drückte sie sich hoch. Ihre Gelenke schmerzten von der Feuchtigkeit, aber sie stand aufrecht. Sie strich einen Staubfleck von ihrem Kittel.

„Warum bist du hier, Leland?", fragte Ella. Ihre Stimme war vom Nichtgebrauch rau, aber fest. „Du machst keine Wohltätigkeitsbesuche in der Psychiatrie."

Leland griff in die Innentasche seines Sakkos. Er zog ein makelloses, weißes Dokument hervor. Der rote Stempel des Chefarztes prangte schwer am unteren Rand.

„Entlassungspapiere", sagte Leland. Er klopfte mit dem Papier gegen seine Handfläche. „Heute Abend ist Ashlyns Gala zum zwanzigsten Geburtstag im Four Seasons."

Ellas Magen zog sich zusammen, aber ihr Gesicht blieb ausdruckslos.

„Du wirst mit mir kommen", fuhr Leland fort. „Du wirst heute Abend auf diese Bühne gehen. Du wirst vor dreihundert Führungskräften der Wall Street auf die Knie gehen und dich öffentlich bei Ashlyn für das entschuldigen, was du ihr angetan hast."

Er trat näher. Er roch nach teurem Zedern-Cologne und Reichtum.

„Wenn du das tust und es überzeugend machst, unterschreibe ich dieses Papier. Deine Zwangseinweisung endet. Du bist frei."

Ella nahm die Hände hinter den Rücken. Sie ballte ihre Finger zu festen Fäusten, ihre Fingernägel gruben sich hart in ihre Handflächen. Der scharfe Stich erdete sie.

Sich bei dem Mädchen entschuldigen, das ihr eine Falle gestellt hatte. Vor der Familie knien, die sie in einer psychiatrischen Anstalt zum Verrotten eingesperrt hatte.

Aber ihre SAT-Prüfung war in zwei Wochen. Dies war ihr einziger physischer Ausweg aus diesem Gefängnis.

Sie öffnete ihre Fäuste. Sie senkte die Wimpern und ließ ihre Schultern in einer perfekten Nachahmung eines gebrochenen Geistes zusammensacken.

„Okay", flüsterte Ella. Ihre Stimme war leise, gefügig und tot. „Ich werde es tun. Ich werde mich entschuldigen."

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