Als mein Rudel fiel, wurde ich als Kriegsbeute an den Lykankönig Kaelen Varg übergeben, den grausamen Mann, der meine Welt zerstört hatte. Durch ein unglückliches Missverständnis mit einem fremden Aphrodisiakum verlor er nachts die Kontrolle, und in dem darauffolgenden Chaos wurde unsere schicksalhafte Gefährtenbindung entfesselt. Ich dachte für einen winzigen Moment, das Schicksal hätte uns zusammengeführt. Doch als am nächsten Morgen die Sonne aufging, stieß Kaelen mich voller Ekel und Abscheu von sich. "Zieh dich an. Und verschwinde." Er war beschämt darüber, dass er, der unbezwingbare König, sich von einem wertlosen Tribut hatte hinreißen lassen, und rief sogar im Schlaf den Namen einer anderen Frau. Um seinen Moment der Schwäche endgültig auszulöschen, ließ er mir durch seinen Beta brennende Silberfesseln anlegen. Das giftige Metall fraß sich zischend in mein Fleisch und raubte mir jede Kraft. Dann warfen sie mich in die Barrens – ein gnadenloses, von mutierten Bestien wimmelndes Ödland, dessen Grenzen magisch versiegelt wurden. Ich lag blutend auf der sonnenverbrannten Erde, während der Gestank von lauernden Monstern in der dünnen Luft hing. Er hatte unsere Seelenverbindung nicht nur verleugnet, er hatte mich wie Müll entsorgt, um seinen eigenen makellosen Stolz zu wahren. Warum musste ich für seinen Kontrollverlust mit einem grausamen Tod bezahlen? Doch während die heiße Wüstensonne auf mich herabbrannte, verschwand meine Verzweiflung und wich einem eiskalten Hass. Ich werde ihm nicht die Genugtuung geben, hier zu sterben. Ich werde überleben und zurückkehren, um sein verdammtes Königreich brennen zu sehen.
Aus der Sicht von Elara Thorne:
Die raue Hand der Wache stieß gegen meine Schulter und zwang mich auf die Knie auf den eiskalten Steinboden. Ein stechender Schmerz durchfuhr sie, aber ich unterdrückte ein Wimmern. Um mich herum taten die anderen Mädchen aus meinem Rudel dasselbe, eine Reihe gebrochener Tribute, die dem Eroberer dargebracht wurden.
Ich hielt meinen Blick gesenkt, auf die Muster im polierten schwarzen Marmor gerichtet. Ich musste nicht aufsehen, um ihn zu spüren. Seine Anwesenheit war ein physisches Gewicht in dem riesigen Thronsaal, ein erdrückender Druck, der die Luft dünn und schwer zu atmen machte. Lykankönig Kaelen Varg. Der Mann, der meine Welt zerschmettert hatte.
Der Saal war eine Höhle aus Schatten und flackerndem Fackellicht. Die Flammen tanzten über kunstvolle Wandteppiche, die brutale Siege und uralte Bestien darstellten, jeder einzelne ein Zeugnis der Macht seiner Blutlinie. Mein Vater war ein Alpha gewesen; ich war in einem Rudelhaus aufgewachsen und hatte Macht aus nächster Nähe erlebt. Aber das hier war anders. Das war die erstickende Macht eines Gottes oder eines Dämons, und sie brachte die lähmende Hilflosigkeit zurück, die ich an dem Tag gefühlt hatte, als unsere Grenzen fielen.
Ich riskierte einen Blick auf die anderen Mädchen. Sie waren alle in feine Seide gekleidet, ihre Haare kunstvoll frisiert und ihre Gesichter geschminkt, um ihre Schönheit zu unterstreichen. Sie versuchten, verführerisch zu sein, den Blick des Königs auf sich zu ziehen, zu überleben, indem sie ihm gefielen. Ich war die Außenseiterin. Mein Kleid war eine einfache, abgetragene Tunika, mein Haar ein zerzaustes Durcheinander aus Honigblond, und mein Gesicht war noch immer vom Staub der Reise verschmiert. Ich war kein Preis; ich war ein Stück Kriegsbeute, und ich sah auch so aus.
Ein leises Knurren, mehr gefühlt als gehört, dröhnte vom Thron herüber. Ich konnte seine Gereiztheit riechen, einen scharfen, metallischen Geruch, der die aufdringliche Süße der Parfums der Mädchen durchdrang. Sein innerer Wolf war aufgewühlt vom Gestank ihrer Verzweiflung und ihres gekünstelten Verlangens.
Plötzlich hob eines der Mädchen zu meiner Linken, eine hübsche Brünette namens Lyra, den Kopf. Sie schenkte ihm ein kleines, geübtes Lächeln und klimperte mit den Wimpern in Richtung des Königs.
Die Stimme des Königs war wie das Krachen eines Gletschers. „Raus."
Es war ein einziges Wort, ohne Hitze gesprochen, und doch barg es die Endgültigkeit eines Todesurteils. Zwei Wachen packten Lyra sofort an den Armen. Sie hatte keine Zeit zu schreien, bevor sie sie über den Marmorboden schleiften, wobei ihre polierten Pantoffeln ein nutzloses Kratzgeräusch machten. Ihr Schrei hallte von der hohen Steindecke wider, als die massiven Holztüren hinter ihr zuschlugen und den Laut abschnitten. Ein neuer Geruch erfüllte die Luft, dick und beißend: pure Todesangst.
Sein Blick wanderte langsam und bedächtig über die Reihe der knienden Frauen. Ich konnte hören, wie das Mädchen neben mir zu zittern begann, ihr leises Schluchzen wurde von ihren Knien gedämpft. Die Angst der anderen war eine Welle, und ich spürte, wie sie kalt und übelkeiterregend über mich hinwegschwappte.
Dann fanden seine Augen mich.
Es fühlte sich an, als würde ich von einer physischen Kraft festgehalten. Mein Körper zitterte unkontrolliert, mein Herz hämmerte so heftig gegen meine Rippen, dass ich dachte, es könnte sie brechen. Das ist es, dachte ich. Er wird mich töten. Doch als diese Welle des Schreckens drohte, mich zu ertränken, tauchte eine andere Stimme in meinem Kopf auf, die letzten Worte meines Vaters an mich, bevor er bei der Verteidigung unseres Rudels fiel. *Ein Thorne beugt nicht den Kopf.*
Es war ein Instinkt, den ich nicht unterdrücken konnte, ein Funke des Trotzes aus einer Blutlinie, die einst geherrscht hatte. Mein Rücken streckte sich. Ich hob mein Kinn und mein Blick traf seinen quer durch den höhlenartigen Raum. Es war eine dumme, selbstmörderische Geste, aber ich konnte nicht anders.
In dem Meer aus gesenkten Köpfen und zitternden Schultern stach mein kleiner Akt der Rebellion wie ein Leuchtfeuer hervor. Ich sah, wie sich seine Nüstern leicht blähten. Er witterte die Luft, und zum ersten Mal schienen sich seine kalten, durchdringenden Silberaugen wirklich auf mich zu konzentrieren. Er sah nicht nur einen weiteren Tribut an; er sah *mich*.
Mein Geruch war ganz anders als der der anderen. Es war der Geruch des Waldes, in dem ich aufgewachsen war, von Kiefern und feuchter Erde nach einem Regen, durchzogen von dem rohen, unverfälschten Geruch meiner Angst. Und als er ihn einatmete, sah ich ein Flackern in seinem Gesichtsausdruck. Die Unruhe in seiner Aura ließ nach, das erdrückende Gewicht hob sich um einen winzigen Bruchteil. Sein innerer Wolf wurde zum ersten Mal still.
Er beugte sich auf seinem Thron leicht nach vorne, sein massiger Körper verlagerte sich. Die Bewegung war subtil, zog aber jeden Blick im Raum auf sich. Ich hielt den Atem an, mein ganzes Wesen war angespannt, wartete auf den Schlag.
Dann winkte er den Wachen mit einer abfälligen Handbewegung zu. „Bringt sie alle weg."
Ein kollektiver Seufzer der Erleichterung ging durch die Reihen der Mädchen. Die Wachen traten hinzu und zogen sie auf die Beine, ihre Erleichterung war so greifbar, dass sie fast ein Geräusch war. Ich spürte selbst eine Welle davon, eine schwindelerregende, benommene Hoffnung. Ich war gerettet. Ich rappelte mich auf, bereit, mit den anderen hinausgetrieben zu werden.
Ich hatte einen Schritt getan, als seine Stimme, so kalt und scharf wie immer, den Lärm durchdrang.
„Nicht sie. Sie bleibt."
Jedes Geräusch im Saal verstummte. Die Wachen erstarrten. Die Mädchen drehten sich um, ihre Augen waren weit aufgerissen von einer Mischung aus Eifersucht, Mitleid und morbider Neugier. Eine Wache zog mich zurück, trennte mich von der Gruppe und ließ mich isoliert in der Mitte des riesigen, leeren Bodens zurück.
Die großen Türen ächzten auf und fielen wieder zu, verschluckten die letzten Tribute und ließen mich allein in der hallenden Stille mit dem Tyrannen auf seinem Thron zurück. Das Geräusch des schweren Riegels, der ins Schloss glitt, fühlte sich an wie das Schließen eines Sargdeckels.
Dann erhob er sich. Er war noch größer, als ich ihn mir vorgestellt hatte, ein Berg aus Muskeln und Macht. Er stieg die Stufen von seinem Thron herab, jeder Schritt ein schweres Dröhnen, das den Stein unter meinen Füßen zu erschüttern schien, jeder einzelne landete im perfekten Takt mit dem rasenden Schlagen meines Herzens.
Er blieb vor mir stehen, so nah, dass ich den Hals recken musste, um zu ihm aufzusehen. Sein Schatten verschlang mich. Die schiere Kraft seiner Alpha-Präsenz war ein körperlicher Angriff, der mir die Luft aus den Lungen raubte.
Er streckte die Hand aus, und ich zuckte zusammen, aber seine schwieligen Finger waren überraschend sanft, als sie mein Kinn umfassten und mein Gesicht zu seinem hoben. Ich war gezwungen, seinem Blick zu begegnen. Seine silbernen Augen waren wie Eissplitter, sie bargen keine Wärme, nur eine kalte, analytische Neugier, die irgendwie furchterregender war als Wut.
Sein innerer Wolf knurrte, ein leises Grollen, das ich in meinen eigenen Knochen spüren konnte, aber es war ein Laut von Besitzanspruch, nicht von Aggression. Er war davon verwirrt; ich konnte es an der leichten Falte auf seiner Stirn sehen.
Er beugte sich näher, sein Gesicht nur wenige Zentimeter von meinem entfernt. Ich konnte die leichten Bartstoppeln auf seinem Kiefer sehen, die harte Linie seines Mundes. Er atmete langsam und tief ein und sog meinen Duft in sich auf, als ob er versuchte, ein Rätsel zu entschlüsseln. Ich kniff die Augen zusammen und machte mich auf das Gefühl seiner Zähne an meiner Kehle gefasst.
Aber der Todesbiss kam nie. Er ließ mich los und trat einen Schritt zurück. Seine Stimme war flach und emotionslos, als er schließlich sprach. Er drehte sich um und ging auf eine kleinere, verzierte Tür neben dem Thron zu, dem Eingang zu seinen privaten Gemächern. Er hielt an der Schwelle inne, den Rücken zu mir gewandt.
„Komm mit mir. Heute Nacht wirst du mir in meinen Gemächern dienen."
Die verbannte wahre Gefährtin des Lykanerkönigs
Solar Pulse
Werwolf
Kapitel 1
07/05/2026
Kapitel 2
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Kapitel 3
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Kapitel 4
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Kapitel 5
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Kapitel 6
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Kapitel 7
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Kapitel 8
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Kapitel 9
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Kapitel 10
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Kapitel 11
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