Die verschmähte Frau kehrt als Erbin zurück

Die verschmähte Frau kehrt als Erbin zurück

Olivia

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Serena Vance fuhr zu Julians exklusivem Club, einen selbstgebackenen Kuchen in der Hand. Es war ihr dritter Hochzeitstag, doch ihr aufgedunsenes Gesicht verriet nur ihre innere Zerrissenheit. Vor der Tür hörte sie Julians Worte: Er nannte sie ein „Geschöpf", eine „Unterschrift auf einem Stück Papier", die er nur wegen Geld ertrug. Er verhöhnte sie und lobte eine andere Frau. In diesem Moment zerbrach ihr altes Leben. Die Demütigung traf sie wie ein Schlag. Sie war für ihn nichts als eine Requisite. Stumm stellte sie den Kuchen ab und ging in den Regen. Zuhause riss sie ihren Ehering ab, zerschmetterte den Spiegel und packte nur ihre alten Kleider. Drei Jahre Hoffnung zerbrachen. Sie war benutzt und weggeworfen worden. Die Erkenntnis, nur eine vertragliche Pflicht gewesen zu sein, löste eine eiskalte Entschlossenheit aus. Sie hinterließ einen Zettel: „Der Treuhandfonds gehört dir. Mein Leben gehört mir." Dann wählte sie eine alte Nummer: „Patenonkel, ich bin bereit, nach Hause zu kommen." Serena verließ New York in einem Privatjet. Wenn sie sich wieder begegneten, würde Julian sie nicht wiedererkennen.

Chapter 1 No.1

Der Regen in Manhattan wusch die Dinge nicht sauber. Er machte den Schmutz nur noch glitschiger.

Als Serena Vance aus dem gelben Taxi stieg, versank ihr Absatz augenblicklich in einer Pfütze aus grauem Schneematsch. Das eiskalte Wasser sickerte durch das billige Leder ihres Schuhs, durchnässte die Socke und ließ ihre Haut erstarren. Sie zuckte nicht einmal zusammen, denn an die Kälte war sie gewöhnt.

Die samtene Tortenschachtel presste sie wie einen Schild an ihre Brust. Eine Maßanfertigung. Roter Samt. Julians Lieblingskuchen. Oder zumindest war es der Lieblingskuchen jenes Mannes gewesen, der er war, bevor er ihr Gatte wurde.

Sie blickte zu der imposanten schwarzen Fassade von „Obsidian" auf, dem privaten Club für Mitglieder in der Upper East Side. Das Gebäude wirkte wie eine Festung, eigens dafür entworfen, Leute wie sie draußen zu halten.

Sie zupfte ihren Mantel zurecht. Er war eine Nummer zu groß, gekauft, um das Gewicht zu kaschieren, das sie in den letzten zwei Jahren zugelegt hatte. Die Stoffwechselstörung hatte ihren Körper in ein Gefängnis aus weichem Fleisch und Wassereinlagerungen verwandelt. Ihr Gesicht, einst nur schlicht, war nun aufgedunsen, gezeichnet von einem hartnäckigen Ausschlag entlang des Kiefers, den keine noch so dicke Schicht Drogerie-Make-up verdecken konnte.

„Name?", fragte der Türsteher, ohne ihr ins Gesicht zu sehen. Sein Blick fiel auf ihre Schuhe.

„Mrs. Sterling", sagte Serena, und ihre Stimme zitterte leicht. Das tat sie immer, wenn sie diesen Namen benutzte. Es fühlte sich an, als würde sie ihn stehlen.

Der Türsteher zögerte. Er überflog seine Liste, dann musterte er sie. Seine Lippe kräuselte sich kaum merklich – eine jener Mikroaggressionen, in deren Katalogisierung sie zur Expertin geworden war. Er wusste, wer sie war. Jeder wusste, wer sie war. Der Vance-Fehler. Die wandelnde Peinlichkeit.

„Mr. Sterling ist in der VIP-Suite", sagte der Türsteher in flachem Ton. „Er hat die Anweisung hinterlassen, nicht gestört zu werden."

„Es ist unser Jahrestag", sagte Serena. Die Worte hingen klein und pathetisch in der feuchten Luft. „Ich … ich habe eine Lieferung."

Sie hob die Schachtel ein wenig an.

Der Türsteher seufzte, eine weiße Wolke in der kalten Luft. Er löste das Samtseil. Die Tür öffnete er ihr nicht.

Serena zwängte sich durch die schweren Eichentüren. Das Geräusch des Regens verklang, abgelöst vom leisen Summen von Jazzmusik und dem Duft von altem Leder und teuren Zigarren. Sie ging den schummrig beleuchteten Korridor entlang. Ihr nasser Mantel tropfte auf den weichen Perserteppich. Tropfen für Tropfen hinterließ sie eine verräterische Spur, die bewies, dass sie hier nicht hingehörte.

Sie erreichte das Ende des Flurs. Die Tür zur VIP-Suite war aus massivem Mahagoni. Sie hob die Hand, um zu klopfen, doch ihre Fingerknöchel erstarrten Zentimeter vor dem Holz.

Gelächter drang durch die Tür. Lautes, heiseres Männerlachen.

„Komm schon, Jules", dröhnte eine Stimme. Es war Oliver, Julians Freund aus dem College. „Du willst mir nicht erzählen, dass du heute Abend zu diesem … Geschöpf nach Hause gehst. Es ist kaum Mitternacht."

Serena erstarrte. Ihr Herz hämmerte gegen ihre Rippen, ein schmerzhafter, unregelmäßiger Rhythmus.

„Ich muss mich blicken lassen", drang Julians Stimme durch den Lärm – kalt und distanziert, der Tonfall, den er für seine Anwälte reservierte. „Es ist der dritte Jahrestag. Der Vertrag schreibt vor, dass ich an wichtigen Daten physisch in der ehelichen Wohnung anwesend sein muss, damit die Auszahlungen aus dem Treuhandfonds aktiv bleiben."

„Was man nicht alles für Geld tut", lachte Oliver. „Ich habe sie gesehen, Mann. Sie sieht aus, als hätte sie die alte Serena aufgefressen. Und diese Haut … ist das ansteckend?"

Serena spürte, wie ihr Galle in die Kehle stieg. Sie kniff die Augen fest zusammen.

„Es spielt keine Rolle, wie sie aussieht", sagte Julian. Die Gleichgültigkeit in seinem Ton war schlimmer als jeder Spott. „Sie ist eine Unterschrift auf einem Stück Papier. Nichts weiter. Die einzige Frau in dieser Stadt, die ich respektiere, ist Elena. Sie kennt ihren Platz. Sie verlangt keine Dinge, die sie nicht verdient."

„Auf Elena!", rief jemand. Gläser klirrten.

Serena starrte auf die Tortenschachtel. Ihre Fingerknöchel traten weiß hervor, so fest umklammerte sie den Karton, dass er sich zu biegen begann.

Drei Tage hatte sie dies geplant. Sie hatte den Kuchen selbst gebacken, weil die Bäckereien zu einschüchternd waren. Sie hatte gedacht, vielleicht, nur vielleicht, wenn sie ihm zeigte, dass sie sich an die kleinen Dinge erinnerte, würde er sie mit etwas anderem als Abscheu ansehen.

Aber er sah sie nicht einmal. Für ihn war sie keine Ehefrau. Sie war nicht einmal ein Mensch. Sie war eine Klausel im Testament eines Großvaters.

Ein scharfer, physischer Schmerz durchfuhr ihre Brust. Das war kein Herzschmerz; Herzschmerz war etwas Poetisches. Das hier war ein Riss. Das Gefühl, wenn einem bei vollem Bewusstsein ein Glied abgetrennt wird.

Sie bückte sich, ihre Knie knackten. Behutsam stellte sie die Tortenschachtel auf dem Boden vor der Tür ab.

Sie klopfte nicht.

Sie richtete sich auf, betrachtete die Tür ein letztes Mal. Sie weinte nicht. Die Tränen saßen irgendwo tief in ihrer Brust fest, gefroren.

Sie drehte sich um. Ihre Bewegungen waren roboterhaft. Linker Fuß. Rechter Fuß.

Sie ging den Korridor zurück. Der Türsteher beobachtete sie, ein Grinsen umspielte seine Lippen. Er erwartete, dass sie hinausgeworfen würde. Er erwartete eine Szene.

Serena ging an ihm vorbei, ohne mit der Wimper zu zucken. Sie stieß die schweren Türen auf und trat zurück in den Regen.

Das kalte Wasser traf ihr Gesicht und vermischte sich mit der Hitze ihrer Scham. Sie rief kein Taxi. Sie ging. Sie ging, bis ihre Füße taub waren. Sie ging, bis der Obsidian Club nur noch ein schwarzer Fleck in der Ferne war.

Sie zog ihr Handy aus der Tasche. Ihre Finger zitterten, doch ihr Verstand war kristallklar.

Sie wählte eine Nummer.

„Sterling Family Legal Counsel", meldete sich eine müde Stimme.

„Hier ist Serena", sagte sie. Diesmal zitterte ihre Stimme nicht. „Setzen Sie die Papiere auf."

„Mrs. Sterling? Es ist elf Uhr nachts. Welche Papiere aufsetzen?"

„Die Scheidungspapiere", sagte sie. „Ich will sie bis morgen früh auf meinem Tisch haben."

Sie legte auf, bevor er widersprechen konnte.

Sie kehrte ins Penthouse zurück. Es war dunkel. Es roch nach Zitronenpolitur und Leere. Julian schlief selten hier. Er hatte eine separate Wohnung in der Stadt, die sie nicht betreten durfte.

Sie ging ins Hauptschlafzimmer. Das Bett war gemacht, die Laken frisch und unberührt. Sie trat zum Wandsafe. Sie gab den Code ein – Julians Geburtstag. So narzisstisch war er.

Darin lag die Samtschatulle mit der Diamantkette, die er ihr am Hochzeitstag geschenkt hatte. Er hatte sie eine „Requisite für die Fotos" genannt. Sie hatte sie seitdem nie getragen.

Sie nahm sie heraus und legte sie auf den Nachttisch.

Sie drehte den Goldring an ihrem linken Ringfinger. Er saß fest. Ihre Finger waren von den Medikamenten geschwollen, die sie heimlich nahm und die nicht wirkten. Sie zog ihn mit einem Ruck ab, wobei die Haut aufriss und ein Blutstropfen das Gold verschmierte, als er sich endlich löste.

Sie legte den Ring neben die Kette.

Sie ging zum Kleiderschrank und zog einen einzelnen, abgenutzten Koffer hervor. Den, den sie vor drei Jahren vom Anwesen der Vances mitgebracht hatte.

Sie packte ihre alten Kleider ein. Die billigen Baumwollhemden. Die abgetragenen Jeans. Zurück ließ sie die Seide, das Kaschmir, die Designerstücke, die Julians Assistentin für ihre öffentlichen Auftritte gekauft hatte.

Sie trat vor den Schminkspiegel. Sie sah sich an.

Blass. Aufgedunsen. Die Augen rot umrandet. Eine Narbe zog sich über ihre linke Wange, entzündet und zornigrot.

„Du bist hässlich", flüsterte sie ihrem Spiegelbild zu. „Du bist schwach."

Sie griff nach einem schweren Parfumflakon – Chanel N° 5, ein Geschenk von Julians Mutter, das Serena hasste.

Sie schleuderte ihn gegen den Spiegel.

Ein lautes Klirren, als er in tausend Scherben zersprang, die auf die Marmorplatte regneten. Das Spinnennetz aus Rissen verzerrte ihr Spiegelbild und zerbrach ihr Gesicht in unzählige scharfe Fragmente.

Gut.

Sie nahm ein Blatt Briefpapier und schrieb zwei Zeilen darauf.

Der Treuhandfonds gehört dir. Mein Leben gehört mir.

Sie legte den Hausschlüssel auf den Zettel.

Sie schloss den Koffer. Er war leicht. Drei Jahre Ehe, und sie hatte nichts vorzuweisen außer einem leichten Koffer und einem schweren Herzen.

Sie zog ein zweites Handy hervor. Ein Wegwerfhandy. Drei Jahre lang hatte sie es aufgeladen gehalten, versteckt im hintersten Winkel ihrer Sockenschublade.

Sie wählte eine Nummer, die seit einem Jahrzehnt nicht mehr angerufen worden war.

Es klingelte einmal.

„Hallo?", fragte eine ältere, britische Stimme.

Serena schloss die Augen. „Patenonkel", flüsterte sie. „Ich bin bereit, nach Hause zu kommen."

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