Die einzige Tochter der Märtyrer: Ihr Ruhm erblüht nach der Scheidung

Die einzige Tochter der Märtyrer: Ihr Ruhm erblüht nach der Scheidung

Mufi Guerriero

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Kapitel

Ich suchte nach der abgenutzten Mahagonischatulle mit der Rubinkette meiner verstorbenen Mutter. Es war das einzige Schmuckstück, das ich morgen auf dem Militärstützpunkt tragen wollte, wenn die Asche meiner Eltern überführt wurde. Doch die Schatulle war leer. Mein Ehemann Domenic zuckte nur mit den Schultern und sagte beiläufig, er habe sie seiner Kollegin Carley gegeben. „Du trägst sie ja sowieso nie. Sie passt nicht einmal zu deiner Kleidung.“ Als ich mein Handy nahm, um mein Eigentum zurückzufordern, riss er es mir aus der Hand und zerschmetterte es auf dem Marmorboden, damit ich Carley wegen dieses „billigen Plunders“ nicht belästige. Am nächsten Tag verpasste er die feierliche Rückkehr der sterblichen Überreste meiner Eltern – beides gefallene Nationalhelden –, weil Carleys Mutter sich leicht den Knöchel verstaucht hatte. Als ich die schweren Ebenholzurnen allein nach Hause brachte, befahl seine Mutter den Dienstmädchen angewidert, diesen deprimierenden Müll in den Keller zu werfen. Domenic verteidigte mich nicht mit einem einzigen Wort. Er befahl mir, aus seinem Haus zu verschwinden und erst wiederzukommen, wenn ich mich entschuldige. Tage später, als bei einem Abendessen plötzlich bewaffnete Attentäter das Restaurant stürmten, warf er sich schützend über Carley und ließ mich unbewaffnet direkt im Kreuzfeuer stehen. Fünf Jahre lang hatte ich die sanftmütige, mittellose Ehefrau gespielt. Ich hatte mein gesamtes geheimes Blutgeld in sein scheiterndes Startup gepumpt und ihn vor dem Bankrott gerettet. Er hielt mich für eine ungebildete Waise, die von seinen Kreditkarten lebte. Er wusste nicht, dass ich einst der tödlichste Kopf der Delta Force war. Und er wusste auch nicht, dass ich die alleinige Architektin der Algorithmen war, auf denen sein heutiges Milliarden-Unternehmen ruhte. Während ich ruhig mein taktisches Kampfmesser zog, um die Attentäter auszuschalten, traf ich eine Entscheidung. Ich würde den Kill-Switch seines Imperiums aktivieren.

Die einzige Tochter der Märtyrer: Ihr Ruhm erblüht nach der Scheidung Kapitel 1 1

Frankie zog die schwere, mit Samt ausgekleidete Schublade ihres Schminktischs auf.

Ihre Finger, sonst so ruhig, zitterten leicht, als sie an leeren Ringschachteln und abgelegten Seidenkrawatten vorbeistrichen.

Sie suchte nach der kleinen, abgenutzten Mahagonischatulle, in der sich die Rubinkette ihrer Mutter befand. Es war das einzige Schmuckstück, das sie morgen auf dem Militärstützpunkt tragen wollte.

Ihre Hand stieß gegen die Rückwand der Schublade. Leer.

Ihr Herz setzte einen harten, unnatürlichen Schlag aus. Die Luft in dem riesigen Manhattan-Penthouse fühlte sich plötzlich zu dünn zum Atmen an.

Sie zog die Schublade weiter heraus, die Metallschienen ächzten unter ihrer plötzlichen, hektischen Kraft. Sie warf einen Samtbeutel beiseite. Nichts.

Die schwere Schlafzimmertür klickte auf.

Domenic kam herein. Er streifte sich gerade sein Sakko ab, seine Bewegungen besaßen jene mühelose, arrogante Anmut, die Frankies Brust einst vor Liebe hatte schmerzen lassen.

Jetzt brachte sie nur noch einen kalten Luftzug ins Zimmer.

Mit dem Luftzug kam ein Duft. Es war nicht sein übliches, herbes Cologne. Es war ein schweres, teures Zedernholzparfüm.

Carleys Parfüm.

Der Duft stieg Frankie in den Rachen und ließ ihren Magen sich vor plötzlicher, heftiger Übelkeit umdrehen.

„Wo ist sie?", fragte Frankie. Ihre Stimme war leise, durch eine Kehle gepresst, die sich eng und trocken anfühlte.

Domenic sah sie nicht einmal an. Er ging zu seinem Schrank, seine Finger fuhren zum Knoten seiner Seidenkrawatte. Er lockerte ihn mit einem scharfen Ruck, eine Angewohnheit, in die er immer verfiel, wenn er von ihrer Anwesenheit genervt war.

„Wo ist was, Frankie?", seufzte er und klang dabei völlig erschöpft von der bloßen Tatsache, dass sie mit ihm sprach.

„Die Rubinkette meiner Mutter. Sie war in dieser Schublade."

Domenic hielt inne. Er zog die Krawatte ganz auf und warf sie über einen Ledersessel. Endlich drehte er sich zu ihr um, sein Blick aus den dunklen Augen war ausdruckslos und ohne jede Reue.

„Ach, das alte Ding", sagte er in einem viel zu beiläufigen Ton. „Ich habe es Carley gegeben."

Die Worte landeten wie physische Schläge im Raum.

Frankies Pupillen zogen sich zusammen. Das Blut wich aus ihrem Gesicht und ihre Haut wurde eiskalt. „Du hast was?"

„Sie hat sie gestern auf der Kommode gesehen", sagte Domenic und krempelte sich die Hemdsärmel hoch. „Sie meinte, der Vintage-Schliff sei interessant. Du trägst sie ja sowieso nie. Sie passt nicht einmal zu deiner Kleidung."

Er sprach, als hätte er einen überflüssigen Regenschirm weggegeben.

Frankie stand auf. Ihre Wirbelsäule richtete sich kerzengerade auf, eine starre Linie militärischer Disziplin, die ihren Schock durchbrach. Sie machte einen Schritt auf ihn zu.

„Das war die Kette meiner Mutter", sagte Frankie, ihre Stimme bebte vor einer Wut, die sie verzweifelt zu unterdrücken versuchte. „Es ist das Einzige, was mir von ihr geblieben ist. Ich will sie zurück. Sofort."

Domenic runzelte die Stirn. Er wich einen halben Schritt zurück, seine Oberlippe kräuselte sich vor Abscheu über ihre Intensität.

„Hör auf, so dramatisch zu sein", fuhr er sie an. „Es ist nur ein Stück trübes Glas. Ich kaufe dir eine neue. Geh morgen zu Cartier und such dir aus, was immer du willst."

Frankie stritt nicht. Ihr Kiefer spannte sich an. Sie griff in ihre Tasche, zog ihr Handy heraus und wischte mit dem Daumen über den Bildschirm, um Carleys Kontakt zu finden.

„Was tust du da?", verlangte Domenic zu wissen, seine Stimme sank in eine gefährliche Tonlage.

„Ich rufe sie an, um mein Eigentum zurückzuholen."

Domenic durchquerte den Raum mit zwei langen Schritten. Seine Hand schoss vor und packte ihr Handgelenk. Sein Griff war brutal, seine Finger gruben sich in ihre Haut.

Mit der anderen Hand entriss er ihr das Handy.

Bevor Frankie reagieren konnte, schleuderte Domenic das Gerät auf den Marmorboden.

Das widerliche Krachen von zersplitterndem Glas hallte von der hohen Decke wider. Der Bildschirm zersprang in ein Spinnennetz aus hundert zackigen Teilen, das Licht flackerte einmal auf, bevor es vollständig erlosch.

Frankie starrte auf das zerbrochene Glas. Ihre Brust hob und senkte sich in flachen, schnellen Atemzügen.

„Belästige Carley nicht", warnte Domenic mit leisem, kaltem Zischen. „Ihre Zeremonie für den Testflug ist nächste Woche. Sie steht unter großem Stress. Ich werde nicht zulassen, dass du ihr die Laune wegen irgendeines billigen Plunders verdirbst."

Frankie hob langsam den Blick und sah ihm in die Augen.

Ihre Augen waren rot umrandet und brannten mit einer Hitze, die sich wie Säure anfühlte. Aber sie weinte nicht. Sie sah ihn nur an, sah ihn wirklich an, als würde sie einen Fremden in der Haut ihres Mannes sehen.

Domenic griff in seine Innentasche. Er zog eine elegante, schwere American Express Black Card heraus und warf sie auf den Boden.

Sie landete direkt auf den Glassplittern ihres Handys.

„Kauf dir was Schönes", sagte er und verfiel wieder in seinen gelangweilten, abfälligen Tonfall. „Betrachte es als Entschuldigung."

Frankie blickte auf die Karte hinab. Das ultimative Symbol seines Reichtums, auf den Trümmern ihrer Kommunikation liegend. Es war fast schon komisch.

Sie griff nicht danach.

„Morgen ist der Tag", sagte Frankie, ihre Stimme jetzt völlig emotionslos. Sie klang tot und flach. „Das Militär überführt die Asche meiner Eltern. Du hast versprochen, mit mir zum Stützpunkt zu kommen."

Domenic rieb sich die Schläfen und stieß einen langen, gequälten Seufzer aus.

„Ja, schon gut. Ich erinnere mich", murmelte er, ohne sie anzusehen. „Ich werde da sein. Nur ... räum dieses Chaos hier auf."

Er kehrte ihr den Rücken und verließ das Hauptschlafzimmer, geradewegs auf die Gästesuite am Ende des Flurs zu.

Die schwere Tür fiel ins Schloss. Der Knall hallte wie ein Pistolenschuss wider und zerriss den letzten unsichtbaren Faden ihrer fünfjährigen Ehe.

Frankie stand allein in der Stille.

Langsam kauerte sie sich hin. Sie griff nach den zerbrochenen Teilen ihres Handys. Eine scharfe Glaskante schnitt ihr in den Zeigefinger.

Ein Tropfen hellrotes Blut quoll hervor und fiel direkt auf die Amex Black Card.

Frankie zuckte nicht zusammen. Sie spürte den Schmerz in ihrer Hand nicht. Der Schmerz in ihrer Brust hatte bereits alles andere verschlungen.

Sie stand auf und ließ die Karte und das Blut zurück. Sie ging zu dem riesigen, bodentiefen Fenster und blickte auf die glitzernde Skyline von New York hinaus.

Die Trauer in ihren Augen verhärtete sich langsam und gefror zu einer Landschaft absoluter, trostloser Stille.

Sie wandte sich vom Fenster ab und ging zum begehbaren Kleiderschrank. Sie schob eine Reihe teurer Designer-Mäntel beiseite, die sie nie trug, und legte so einen versteckten Wandsafe frei.

Sie gab einen zwölfstelligen Code ein. Die schwere Metalltür klickte auf.

Darin lag eine dicke, versiegelte Manila-Akte. Ihre wahre Identitätsakte. Fünf Jahre lang unberührt.

Daneben lag ein Paar stumpfer Erkennungsmarken aus Metall an einer Kugelkette.

Frankie nahm die Erkennungsmarken. Sie presste sie in ihrer Faust zusammen, bis sich die Metallkanten scharf in ihre Handfläche bohrten.

Der körperliche Schmerz erdete sie. Er erinnerte sie daran, wer sie wirklich war.

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