Auf seiner Verlobungsfeier verkündete der Mann, den ich liebte, dass er das Mädchen heiraten würde, das mein Leben zur Hölle machte. Anson Hyde, der mir einst versprochen hatte, mich immer zu beschützen, strahlte, während er Claudine den Ring an den Finger steckte. Während sie im Blitzlicht der Kameras lachten, stieß mich ein Kellner an und übergoss mein einziges gutes Kleid mit Champagner. Er entschuldigte sich nicht einmal. Für sie alle war ich nur das arme Mündel, ein lästiger Schatten in ihrer glänzenden Welt. Anson sah den Vorfall, doch er wandte sich einfach ab und küsste seine Verlobte. In diesem Moment zerbrach nicht nur mein Herz, sondern auch die Illusion, dass er mich jemals wirklich gesehen hatte. Die Demütigung brannte heißer als die Tränen, die ich zurückhielt. Ich floh aus dem Ballsaal, um nicht zu ersticken, und rannte direkt in den Mann, den alle in der Stadt fürchteten. Dallas Koch sah die Verzweiflung in meinen Augen. Ohne nachzudenken, stellte ich ihm die Frage, die mein Schicksal für immer verändern sollte. „Heiraten Sie mich.“
Das Kristallglas in Eliza Solomons Hand drohte zu zerspringen.
Sie spürte die feinen Risse, die sich in ihre Handfläche bohrten, ein perfektes Spiegelbild des Drucks in ihrer Brust – eng, brüchig und kurz vor dem Zerbersten.
„Er sieht glücklich aus, nicht wahr?“
Die Stimme kam von ihrer Linken. Eine Dame der Gesellschaft in smaragdgrüner Seide, eine flüchtige Bekannte aus der Zeit, bevor das Solomon-Imperium zerfiel, bevor Eliza zum bemitleidenswerten Mündel der Familie Hyde wurde.
Eliza antwortete nicht. Sie konnte nicht. Ihr Hals hatte sich zugeschnürt, irgendwann zwischen der Vorspeise und dem Augenblick, als Anson Hyde mit Claudine Chapman am Arm den Ballsaal betrat.
Anson sah nicht nur glücklich aus – er triumphierte.
Er stand in der Mitte des Raumes, unter dem gewaltigen Kronleuchter, der mehr kostete als Elizas gesamte Studiengebühren. Seine Hand ruhte auf Claudines Rücken, die Finger besitzergreifend auf den weißen Stoff ihres Kleides gespreizt. Er beugte sich vor, flüsterte ihr etwas ins Ohr, das Claudine den Kopf zurückwerfen und lachen ließ.
Das Geräusch war schrill. Es durchdrang die schwere Orchestermusik und bohrte sich direkt hinter Elizas Rippen.
Es war dasselbe Lachen, mit dem Claudine sich über Elizas abgetragene Schuhe lustig machte.
„Verzeihung“, murmelte ein Kellner und stieß mit einem schweren Tablett gegen Elizas Schulter. Champagner schwappte über den Rand ihres Glases und durchnässte das Oberteil ihres grauen Kleides. Kalt und klebrig. Ohne sich zu entschuldigen, warf der Kellner ihr einen Blick zu, erkannte sie als Almosenempfängerin, verzog verächtlich die Lippen und wandte sich den Gästen zu, die wirklich zählten.
Elizas Magen verkrampfte sich. Die Demütigung war ein physisches Gewicht, das so schwer auf ihren Schultern lastete, dass ihre Knie weich wurden. Sie brauchte Luft. Sie musste nicht hier sein. Musste nicht zusehen, wie der Junge, der ihr einst Schutz versprochen hatte, seine Verlobung mit dem Mädchen verkündete, das sie unablässig quälte.
Mit gesenktem Kopf wandte sie sich um und ging in Richtung Bibliothek.
Die Bibliothek war dunkel und roch nach altem Papier und Zitronenpolitur. Es war der einzige Raum im Hyde-Anwesen, in dem Eliza sich jemals sicher gefühlt hatte. Sie schloss die schwere Eichentür hinter sich und lehnte die Stirn gegen das kühle Holz, nach Luft ringend. Ihre Lungen brannten.
Der Türknauf drehte sich unter ihrer Hand.
Eliza fuhr zurück und wischte sich hektisch über die Augen. Sie erwartete Anson. Erwartete, dass er hereinkommen und sie anweisen würde, keine Szene zu machen, für die Kameras zu lächeln, dankbar zu sein für das Dach über dem Kopf.
Doch die Gestalt, die den Türrahmen ausfüllte, war nicht Anson.
Es war ein Mann, gebaut wie eine Felswand, in einem schwarzen Smoking, der das gedämpfte Licht des Raumes zu verschlucken schien. Er war größer als Anson, breiter, und von einer Stille umgeben, die die Temperatur in der Bibliothek um zehn Grad fallen ließ.
Dallas Koch.
Elizas Atem stockte. Was tat er hier? Der CEO von Koch Industries, der mächtigste Mann der Stadt, versteckte sich nicht in Bibliotheken. Er würdigte Menschen wie Eliza nicht einmal eines Blickes.
Er stand da, die Hand noch am Messingknauf, und seine dunklen Augen musterten ihr Gesicht. Er nahm den Champagnerfleck auf ihrem Kleid wahr, die roten Flecken auf ihren Wangen und das heftige Zittern ihrer Hände, das das Kristallglas klirren ließ.
Für einen Moment bekam die stoische Maske, die ihn wie eine Statue aus Granit wirken ließ, einen Riss. Ein Muskel in seinem Kiefer zuckte.
Er trat ein und schloss die Tür, wodurch der Lärm der Party augenblicklich verstummte.
Aus seiner Brusttasche zog er ein Einstecktuch. Weiße Seide, perfekt gefaltet. Wortlos hielt er es ihr hin.
Eliza starrte es an. „Ich … mir geht es gut.“
„Nein“, sagte Dallas. Seine Stimme war ein tiefes Grollen, das in dem stillen Raum vibrierte. „Nehmen Sie es.“
Eliza streckte die Hand aus. Ihre Finger streiften seine Handfläche, als sie die Seide nahm. Ein winziger Schlag statischer Elektrizität zuckte zwischen ihnen, scharf und überraschend. Sie zuckte zusammen, doch er rührte sich nicht.
Das Tuch roch nach Sandelholz und etwas Sauberem, wie Regen auf heißem Asphalt. Es roch teuer. Es roch nach Stabilität.
Durch das dicke Holz der Tür drang Ansons Stimme aus dem Flur. Er hielt eine Rede.
„… auf meine wunderschöne Verlobte, Claudine …“
Die Worte trafen Eliza wie ein physischer Schlag in die Kniekehlen. Ihre Beine gaben nach.
Sie schlug nicht auf dem Boden auf.
Dallas bewegte sich mit einer Geschwindigkeit, die für einen Mann seiner Statur unmöglich schien. Im einen Moment stand er drei Schritte entfernt, im nächsten hatte er einen Arm um ihre Taille geschlungen und fing sie auf.
Sein Griff war fest. Solide. Er hielt sie mühelos, sein Arm ein stählerner Riegel an ihrer Wirbelsäule.
Eliza blickte auf. Ihr Blick war von Tränen verschwommen, die seine Züge verwischten, doch sie konnte die Intensität in seinen Augen erkennen. Er sah sie nicht mit Mitleid an. Er sah sie mit einer beängstigenden Konzentration an.
„Bringen Sie mich hier weg“, flüsterte sie. Die Worte entglitten ihr, bevor sie sie aufhalten konnte. Ein verzweifeltes Flehen, geboren aus Herzschmerz und dem plötzlichen, überwältigenden Instinkt, dass dieser Mann der Einzige im Raum war, der nicht versuchte, sie zu zerquetschen.
Dallas erstarrte. Seine Augen verdunkelten sich und wechselten von Braun zu einem beinahen Schwarz. Er blickte auf sie herab, wog das Gewicht ihrer Bitte ab, kalkulierte die Kosten.
„Es gibt kein Zurück, wenn wir gehen, Eliza“, warnte er, seine Stimme tief und rau an den Rändern. „Wenn Sie mit mir durch diese Tür gehen, werden Sie nicht in dieses Haus zurückkehren.“
Eliza nickte hektisch, während die Tränen nun frei liefen, heiße Spuren auf ihrer kalten Haut. „Bitte. Bringen Sie mich einfach hier raus.“
Dallas zögerte nicht länger. Er verlagerte seinen Griff und führte sie zum Dienstbotenausgang, der hinter einem Wandteppich verborgen war. Dabei schirmte er sie mit seinen breiten Schultern geschickt vor den Überwachungskameras ab.
Die Nachtluft draußen war beißend kalt. Ein schlanker, mattschwarzer Maybach stand am Bordstein und lauerte wie ein Raubtier im Schatten.
Dallas öffnete die schwere Tür und half ihr hinein. Der Innenraum roch nach Leder und Geborgenheit. Er schlug die Tür zu, und die Stille war absolut. Die Musik, das Lachen, Ansons Stimme – alles war verschwunden.
Eliza sank in den Sitz. In der Mittelkonsole stand eine Kristallkaraffe. Ohne nachzudenken, schenkte sie sich eine bernsteinfarbene Flüssigkeit in ein Glas und leerte es in einem Zug.
Es brannte. Es brannte den ganzen Weg hinunter bis in ihren leeren Magen und setzte ihr Blut in Flammen.
Dallas setzte sich auf den Fahrersitz. Er sah sie nicht an. Seine Hände umklammerten das Lenkrad so fest, dass die Knöchel weiß hervortraten.
„Wohin fahren wir?“, fragte sie, ihre Stimme leicht verwaschen, als der Alkohol mit der Wucht eines Vorschlaghammers einschlug.
„Zu mir“, sagte Dallas.
Das Auto glitt los. Die Lichter der Stadt verschwammen zu Neonstreifen. Eliza fühlte sich schwindelig, entwurzelt. Der Alkohol vermischte sich mit dem Adrenalin und der Trauer zu einem giftigen Cocktail in ihrem Kopf.
Sie betrachtete Dallas’ Profil im Vorbeiziehen der Lichter. Azaleas Vater. Altes Geld. Die Verkörperung von Macht.
„Ich brauche einen Schutzschild“, murmelte sie, die Worte quollen unkontrolliert aus ihr hervor. „Eine Mauer, die er nicht überwinden kann.“
Dallas warf ihr einen Blick durch den Rückspiegel zu. Sein Ausdruck war unleserlich.
Sie erreichten ein Gebäude, das den Horizont durchstieß. Die Fahrt im Aufzug war ein verschwommener Schleier aus Übelkeit. Als sich die Türen zum Penthouse öffneten, stolperte Eliza.
Wieder war Dallas da und stützte sie. Seine Hände auf ihren Armen fühlten sich durch den dünnen Stoff ihres Kleides heiß an.
Sie blickte zu ihm auf. Im harten Licht des Foyers sah er nicht wie ein Retter aus. Er sah gefährlich aus.
„Heiraten Sie mich“, platzte es aus ihr heraus.
Die Stille, die folgte, war ohrenbetäubend.
Es war der Alkohol, der sprach. Der Überlebensinstinkt eines verwundeten Tieres, das versucht, sich hinter dem größten Raubtier im Wald zu verstecken.
Dallas erstarrte. Die Luft im Penthouse knisterte, geladen mit einer Spannung, die Eliza die Haare auf den Armen aufstellen ließ.
Er lachte nicht. Er sagte ihr nicht, dass sie betrunken war.
Er ging zu einem Wandsafe, der hinter einem Gemälde verborgen war. Er gab einen Code ein, die Pieptöne hallten laut durch den stillen Raum. Er zog ein Dokument und einen schweren Füllfederhalter hervor.
Dann kam er zu ihr zurück und legte das Papier auf den Marmorkonsolentisch.
„Unterschreiben Sie“, befahl er. Seine Stimme war leise, doch sie trug das Gewicht des Hammers eines Richters.
Eliza blinzelte und versuchte, die Buchstaben zu entziffern. Die Worte verschwammen. Sie erkannte „Ehe“ und „Vereinbarung“.
Die Details waren ihr gleichgültig. Sie wollte nur, dass Anson wusste, dass sie fort war. Sie wollte die Brücke hinter sich so vollständig niederbrennen, dass es kein Zurück mehr gab.
Sie griff nach dem Stift. Ihre Unterschrift war eine zittrige, unleserliche Linie.
„Fertig“, flüsterte sie.
Der Stift glitt ihr aus den Fingern und klapperte auf den Marmor. Der Raum kippte zur Seite.
Das Letzte, was sie spürte, war, wie Dallas sie erneut auffing und in seine Arme hob, bevor die Schwärze sie vollständig verschlang.
Chapter 1 No.1
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Chapter 3 No.3
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Chapter 5 No.5
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Chapter 6 No.6
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Chapter 7 No.7
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Chapter 8 No.8
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Chapter 9 No.9
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Chapter 10 No.10
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Chapter 12 No.12
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Chapter 13 No.13
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Chapter 37 No.37
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Chapter 38 No.38
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Chapter 39 No.39
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Chapter 40 No.40
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