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Der Regen war zu laut. Er prasselte gegen die Windschutzscheibe und übertönte das Geräusch ihres eigenen Schreis. Dann kamen die Scheinwerfer – blendende, durchdringende weiße Lichtkegel, die die Dunkelheit durchschnitten und direkt auf ihr Gesicht zurasten.
Harley Vance wälzte sich auf der schmalen, steifen Matratze. Ihre Hände krallten sich in die billigen Baumwolllaken. Ihr Brustkorb hob und senkte sich, während sie flache, unregelmäßige Atemzüge einsog, die in ihrer Kehle brannten. Der Geruch von brennendem Gummi und metallischem Blut stieg ihr in die Nase und raubte ihr den Atem.
Sie fuhr heftig hoch, ihre Augen rissen auf.
Ein schriller, hoher Alarmton durchdrang augenblicklich den Raum. Harley hatte in ihrer Panik die EKG-Kabel von ihrer Brust gerissen. Der Monitor neben dem Bett blinkte rot und schrillte durch die sterile Luft der Entzugsklinik in Downtown Manhattan.
Die Tür flog auf. Nurse Patel stürzte herein, ihre gummibesohlten Schuhe quietschten auf dem Linoleumboden.
"Harley! Alles in Ordnung, du bist in Sicherheit-" Die Krankenschwester streckte die Hände aus, um Harleys Schultern zu fassen.
Harleys Überlebensinstinkt übernahm die Kontrolle. Ihre Muskeln spannten sich an, und sie stieß die Krankenschwester mit einem harten, flachen Stoß ihrer Handfläche gegen die Brust weg. Nurse Patel taumelte zurück und prallte mit einem dumpfen Geräusch gegen den metallenen Türrahmen.
Harley blinzelte, und die blendenden Scheinwerfer in ihrem Kopf wichen den grellen Neonlichtern der Klinik. Sie sah den erschrockenen Ausdruck im Gesicht der Krankenschwester. Harley schluckte schwer und zwang ihr rasendes Herz, langsamer zu schlagen. Sie grub ihre Fingernägel in ihre Handflächen und begrüßte den scharfen Schmerz, als ihre Haut nachgab. Der körperliche Schmerz erdete sie, aber es war die Erinnerung an den Unfall – die plötzliche, schreckliche Erkenntnis, dass ihre Bremsleitungen absichtlich durchtrennt worden waren –, die sie davon abhielt, Alyssa auf der Stelle die Hände um den Hals zu legen.
"Mir geht's gut", sagte Harley mit heiserer, trockener Stimme.
Sie griff nach dem kleinen Pappbecher auf dem Nachttisch. Ihre Hand zitterte leicht, als sie ihn an ihre Lippen führte und das abgestandene, kalte Wasser hinunterschluckte. Die Kälte traf ihren Magen und holte sie in die Realität zurück.
Nurse Patel stieß einen zittrigen Atemzug aus und ging zum an der Wand montierten Fernseher. Sie griff nach der Fernbedienung und drehte die Lautstärke auf, um die peinliche Stille zu füllen.
"Schauen wir einfach ein paar Nachrichten", murmelte die Krankenschwester und mied Harleys Blick.
Harley senkte den Pappbecher. Sie blickte zum Bildschirm. Es war ein Finanznachrichtensender.
Die Kamera schwenkte über den JFK Airport. Ein Mann in einem maßgeschneiderten, anthrazitfarbenen Anzug ging durch das Terminal, umringt von einem Schwarm von Reportern. Es war Colvin Gaines. Ihr Ex-Mann.
Harleys Finger schlossen sich fester um den Pappbecher. Das billige Material zerknüllte sofort, Wasser schwappte über ihre Fingerknöchel und tropfte auf die dünne Decke.
Die Stimme des Nachrichtensprechers dröhnte aus den Lautsprechern. "Colvin Gaines kehrt heute nach New York zurück und bringt massives europäisches Kapital mit, um den Familientrust der Vances zu stützen..."
Ein plötzlicher Phantomschmerz schoss durch Harleys linkes Bein. Es war ein scharfes, brennendes Gefühl, genau an der Stelle, an der vor fünf Jahren die Metallstäbe chirurgisch implantiert worden waren. Sie griff nach unten, ihre Hand umklammerte fest ihren Oberschenkel, als versuchte sie, den Schmerz wegzudrücken.
Die Tür öffnete sich erneut. Dr. Ramsey kam herein und hielt ein Klemmbrett in der Hand. Er warf einen Blick auf die roten Zahlen auf dem EKG-Monitor und sah dann zu Harley hinunter.
"Ihre Herzfrequenz ist ein einziges Chaos, Harley", sagte Dr. Ramsey mit flacher, ernster Stimme. "Ich habe es Ihnen letzten Monat gesagt. Sie müssen mit der risikoreichen Stuntarbeit aufhören. Ihr Körper verkraftet keinen weiteren Aufprall dieser Art."
Harley ließ ihr Bein los. Sie sah den Arzt an, ihr Gesicht war völlig ausdruckslos.
"Ich brauche das Geld", sagte sie schlicht.
Bevor er widersprechen konnte, griff Harley zu ihrem rechten Arm. Sie packte die Plastiknabe der Infusionsnadel und riss sie mit einer einzigen, fließenden Bewegung aus ihrer Vene.
Ein dicker Tropfen dunkelroten Blutes quoll hervor und lief über das weiße medizinische Klebeband. Harley zuckte nicht zusammen. Sie schnappte sich ihren billigen schwarzen Kapuzenpullover vom Stuhl und zog ihn über den Kopf, um die Verbände an ihren Rippen zu verbergen.
"Sie werden sich da draußen noch umbringen", warnte Dr. Ramsey.
Harley ignorierte ihn. Sie griff nach ihrem abgenutzten Seesack aus Segeltuch.
Dann hörte sie es. Das scharfe, rhythmische Klicken teurer Absätze auf dem billigen Klinikboden. Das Geräusch war hier völlig fehl am Platz. Es gehörte auf die Fifth Avenue, nicht in eine heruntergekommene Entzugsklinik.
Die Tür wurde aufgestoßen. Sie schlug mit einem lauten Knall gegen die Wand.
Alyssa Christian trat ein. Sie hatte den Namen Vance vor Jahren abgelegt, um ihre eigene Marke aufzubauen, aber sie trug noch immer die Grausamkeit der Familie in sich. Sie trug ein makelloses weißes Tweed-Kostüm von Chanel. Ihr blondes Haar war perfekt gestylt und fiel ihr über die Schultern. Der schwere Duft eines maßgefertigten Parfums übertönte augenblicklich den Geruch von Reinigungsalkohol im Raum.
Nurse Patel trat vor. "Entschuldigen Sie, Sie können nicht einfach-"
Ein massiger Bodyguard in einem schwarzen Anzug trat hinter Alyssa hervor. Er packte die Krankenschwester am Arm, stieß sie grob in den Flur und zog die Tür zu. Das Schloss klickte.
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