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Nach außen hin war sie seine Hausärztin. Nach außen hin war sie seine Hausärztin. In Wahrheit war sie aber auch die Frau, zu der er sich wandte, wenn er körperliche Bedürfnisse hatte.
Wenn er aus gewalttätigen Auseinandersetzungen verwundet und blutend zurückkehrte, behandelte sie ihn. Wenn ihn in der Stille der Nacht die Einsamkeit quälte, war sie es, die ihn tröstete.
Nina hatte einst geglaubt, dass sie ihm eines Tages durch ihre Hingabe doch noch das Herz erobern würde.
Doch als die Frau, die Julian immer geliebt hatte, plötzlich zurückkehrte, war ihre Nützlichkeit dahin. Für Julian wurde sie zu etwas Wegwerfbarem.
Sogar die Assistentin konnte es nicht mehr ertragen und versuchte Julian zu überreden, Nina zu schätzen. Julian lachte nur verächtlich.
„Nina war nie Teil meines Lebensplans. Ich habe sie nur behalten, weil sie ein wenig an Aria erinnert.“
In diesem Moment fühlte sich ihre Hingabe wie ein grausamer Scherz an.
Später, als er Aria Monroe um die Taille fasste und beiläufig Nina bat, bei der Hochzeitsvorbereitung zu helfen, weinte sie nicht. Sie machte keinen Aufstand. Sie lächelte nur, bis ihre Augen rot wurden, und stimmte schweigend zu.
Dann drehte sie sich um und rief jemanden an.
„Der zehnjährige Vertrag läuft in sieben Tagen ab. Ich beantrage die Kündigung. Ab diesem Moment werde ich nichts mehr mit der Familie Blackwell zu tun haben.“
……
Vor zehn Jahren hatte die damals achtzehnjährige Nina bei der Beerdigung ihres Vaters heimlich einen Blutvertrag mit der Familie Blackwell geschlossen Für eine gesicherte Zukunft verpflichtete sie sich, zehn Jahre lang an Julians Seite als seine Hausärztin zu bleiben.
Heute stand Nina im Alter von achtundzwanzig Jahren im dritten Stock des Blackwell-Anwesens und hielt den Vertrag in der Hand, der nun ablief. Ihr Herz pochte laut in ihrer Brust.
Sie hätte ruhig gehen sollen.
Aber irgendwann während dieser zehn Jahre hatte sie sich in Julian verliebt.
Nicht wegen seines Erbes als Erbe der Familie Blackwell aus Serricilia. „Nicht wegen seiner Kontrolle über die Hälfte des Unterwelt-Netzwerks von Ostklippe. Einfach weil er Julian war.
Gerade wollte sie ihm ihre Gefühle gestehen, da drang Julians tiefe, angenehme Stimme aus dem Arbeitszimmer herüber. „Aria kommt morgen zurück. Informiert alle. Ihr Zimmer muss genau so eingerichtet sein wie vor zehn Jahren. Die Verlobungsfeier findet im Herbst statt. Ich werde sie heiraten.“
Der Assistent zögerte. „Herr Blackwell, was ist mit Nina?“
Julian schwieg einen Moment, dann lachte er leise. „Sie war nie Teil meiner Pläne. Ich habe sie behalten, weil sie Aria ein wenig ähnelte.“
Nina erstarrte auf der Stelle, als sei sie von einem Blitz getroffen worden.
Aria.
Das Mädchen, das Julian in seiner Jugend geliebt hatte, das er aber niemals haben konnte.
Die junge Ärztin, die an seinem Bett gewacht hatte, als er mit sechzehn bei einem Schusswechsel schwer verletzt wurde.
Seine Kindheitsliebe musste nach Nuwhuenia gehen, weil ihre Familie es nicht erlaubte und genau das war der Grund, warum er zehn Jahre lang unverheiratet geblieben war.
Nina erinnerte sich plötzlich daran, dass Aria ebenfalls Ärztin war.
Bevor Nina erschien, behandelte Aria stets Julian, bereitete seine Medikamente vor und begleitete ihn durch jede Lebensgefahr.
Also war sie die letzten zehn Jahre nur ein Schatten von Aria gewesen.
Julian hatte sie nur deshalb in seiner Nähe bleiben lassen, weil sie dieselbe ruhige Professionalität und medizinische Kompetenz besaß wie Aria. Sogar ihre Züge trugen eine leichte Ähnlichkeit.
Nina lehnte sich an die kalte Wand und grub ihre Nägel in ihre Handfläche, um sich davon abzuhalten laut zu schreien.
Am Tag von Arias Rückkehr trug sie ein weinrotes Samtkleid. Mit nichts weiter als einem leichten Lächeln wurde sie binnen Minuten zum Gesprächsthema der ganzen Stadt.
Julian ging persönlich zum Flughafen, um sie abzuholen. Als sie in die Eingangshalle traten, zogen sie sich in eine enge Umarmung und küssten sich tief und innig.
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