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Frankie zog die schwere, mit Samt ausgekleidete Schublade ihres Schminktischs auf.
Ihre Finger, sonst so ruhig, zitterten leicht, als sie an leeren Ringschachteln und abgelegten Seidenkrawatten vorbeistrichen.
Sie suchte nach der kleinen, abgenutzten Mahagonischatulle, in der sich die Rubinkette ihrer Mutter befand. Es war das einzige Schmuckstück, das sie morgen auf dem Militärstützpunkt tragen wollte.
Ihre Hand stieß gegen die Rückwand der Schublade. Leer.
Ihr Herz setzte einen harten, unnatürlichen Schlag aus. Die Luft in dem riesigen Manhattan-Penthouse fühlte sich plötzlich zu dünn zum Atmen an.
Sie zog die Schublade weiter heraus, die Metallschienen ächzten unter ihrer plötzlichen, hektischen Kraft. Sie warf einen Samtbeutel beiseite. Nichts.
Die schwere Schlafzimmertür klickte auf.
Domenic kam herein. Er streifte sich gerade sein Sakko ab, seine Bewegungen besaßen jene mühelose, arrogante Anmut, die Frankies Brust einst vor Liebe hatte schmerzen lassen.
Jetzt brachte sie nur noch einen kalten Luftzug ins Zimmer.
Mit dem Luftzug kam ein Duft. Es war nicht sein übliches, herbes Cologne. Es war ein schweres, teures Zedernholzparfüm.
Carleys Parfüm.
Der Duft stieg Frankie in den Rachen und ließ ihren Magen sich vor plötzlicher, heftiger Übelkeit umdrehen.
„Wo ist sie?", fragte Frankie. Ihre Stimme war leise, durch eine Kehle gepresst, die sich eng und trocken anfühlte.
Domenic sah sie nicht einmal an. Er ging zu seinem Schrank, seine Finger fuhren zum Knoten seiner Seidenkrawatte. Er lockerte ihn mit einem scharfen Ruck, eine Angewohnheit, in die er immer verfiel, wenn er von ihrer Anwesenheit genervt war.
„Wo ist was, Frankie?", seufzte er und klang dabei völlig erschöpft von der bloßen Tatsache, dass sie mit ihm sprach.
„Die Rubinkette meiner Mutter. Sie war in dieser Schublade."
Domenic hielt inne. Er zog die Krawatte ganz auf und warf sie über einen Ledersessel. Endlich drehte er sich zu ihr um, sein Blick aus den dunklen Augen war ausdruckslos und ohne jede Reue.
„Ach, das alte Ding", sagte er in einem viel zu beiläufigen Ton. „Ich habe es Carley gegeben."
Die Worte landeten wie physische Schläge im Raum.
Frankies Pupillen zogen sich zusammen. Das Blut wich aus ihrem Gesicht und ihre Haut wurde eiskalt. „Du hast was?"
„Sie hat sie gestern auf der Kommode gesehen", sagte Domenic und krempelte sich die Hemdsärmel hoch. „Sie meinte, der Vintage-Schliff sei interessant. Du trägst sie ja sowieso nie. Sie passt nicht einmal zu deiner Kleidung."
Er sprach, als hätte er einen überflüssigen Regenschirm weggegeben.
Frankie stand auf. Ihre Wirbelsäule richtete sich kerzengerade auf, eine starre Linie militärischer Disziplin, die ihren Schock durchbrach. Sie machte einen Schritt auf ihn zu.
„Das war die Kette meiner Mutter", sagte Frankie, ihre Stimme bebte vor einer Wut, die sie verzweifelt zu unterdrücken versuchte. „Es ist das Einzige, was mir von ihr geblieben ist. Ich will sie zurück. Sofort."
Domenic runzelte die Stirn. Er wich einen halben Schritt zurück, seine Oberlippe kräuselte sich vor Abscheu über ihre Intensität.
„Hör auf, so dramatisch zu sein", fuhr er sie an. „Es ist nur ein Stück trübes Glas. Ich kaufe dir eine neue. Geh morgen zu Cartier und such dir aus, was immer du willst."
Frankie stritt nicht. Ihr Kiefer spannte sich an. Sie griff in ihre Tasche, zog ihr Handy heraus und wischte mit dem Daumen über den Bildschirm, um Carleys Kontakt zu finden.
„Was tust du da?", verlangte Domenic zu wissen, seine Stimme sank in eine gefährliche Tonlage.
„Ich rufe sie an, um mein Eigentum zurückzuholen."
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