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Eine Nachricht leuchtete auf Stella Russells Handy auf, begleitet von einer Reihe von Fotos. Unordentlich verstreute Kleidung, zwei eng umschlungene Körper, zerwühlte Bettlaken und ein beschlagener Spiegel, der vom Dampf trübte...
Stella hatte solche Bilder schon gesehen. Das war nichts Neues für sie.
Ein einziger Blick auf die große Hand, die das Handgelenk der Frau umschloss, genügte, sie erkannte sofort, dass es Marcs war. Ihr Ehemann. Der Mann, mit dem sie seit vier Jahren verheiratet war.
Dann fiel ihr Blick auf das Datum der Fotos, und ihr Magen zog sich schmerzhaft zusammen. Es war derselbe Tag wie ihr Hochzeitstag.
Marc hatte versprochen, den Abend mit ihr zu verbringen, doch er war drei Tage lang verschwunden. Alles, was sie bekam, war eine Nachricht seines Assistenten, er habe dringend geschäftlich zu tun.
„Dringend, hm?“ Ein bitteres Lachen entwich Stella. Offensichtlich dringend, in jemand anderes Bett. Sie schloss die Nachricht und wählte eine Nummer aus ihrer Kontaktliste.
Die Verbindung wurde sofort angenommen.
„Stella“, erklang die Stimme am anderen Ende.
„Ich habe meine Entscheidung über das geheime Forschungsprojekt getroffen“, sagte sie ruhig.
„Wer ist der Kandidat?“, fragte die Stimme.
„Ich.“
Am anderen Ende breitete sich eine schwere Stille aus, bis eine scharfe, entschlossene Stimme erklang. „Mach keine Scherze, Stella. Du weißt, was das bedeutet! Wenn du dem geheimen Forschungsprojekt beitrittst, gibt es kein Zurück. Kein Kontakt nach außen, keine persönlichen Bindungen. Du wirst offiziell als vermisst gelten, und alles aus deiner Vergangenheit wird gelöscht. Man wird dir eine neue Identität geben. Frag dich also, bist du wirklich bereit, deine Familie hinter dir zu lassen? Marc?“
Stellas Augen fielen auf das eingerahmte Hochzeitsfoto an der Wand.
Einst hatte sie beim Anblick dieser Lächeln Wärme empfunden, jetzt spürte sie nur noch Schmerz.
Marcs Versprechen, die früher süß geklungen hatten, wirkten inzwischen kalt und leer.
„Ich habe meine Entscheidung getroffen“, flüsterte sie. „Ich komme morgen vorbei, um die Formulare zu unterschreiben.“
Sie beendete das Gespräch, bevor ihr Gegenüber etwas erwidern konnte. Sie wollte nichts mehr hören. Ihre Entscheidung stand fest.
In diesem Moment fuhr draußen ein Auto vor. Wenige Augenblicke später trat Marc Walsh ein, so groß wie eh und je, während er seine schwarze Krawatte lockerte und direkt ins Badezimmer ging.
Sein Jackett, achtlos an den Haken geworfen, trug noch immer den verräterischen Duft von FIRE2, dem neuesten Damenparfum der Marke Vlexoot. Kühn und leidenschaftlich, alles, was sie offenbar nicht mehr war.
Minuten später kam Marc zurück, tropfnass von einer schnellen Dusche, in einen grauen Bademantel gehüllt.
Der Stoff hing lose, enthüllte Brust und Bauchmuskeln. Sein feuchtes Haar fiel ihm ins Gesicht, und der Dampf verlieh ihm eine noch kühlere, und schärfere Ausstrahlung.
Als Erbe der einflussreichen Familie Walsh hatte Marc alles, Aussehen, Status und Geld.
Einst hatte sie das alles angezogen. Heute ekelte es sie nur noch an.
„Was soll dieser Blick?“ Marc lachte leise, legte den Arm um ihre Taille und sprach mit tiefer, spielerischer Stimme. „Hast du mich vermisst, Babe?“
Seine Hand glitt an ihrer Seite hinab, doch seine Berührung ließ ihre Haut schaudern. Schnell entzog sie sich ihm.
Marcs Hand verharrte in der Bewegung, seine Brauen zogen sich zusammen. „Was ist los? Bist du wütend auf mich?“
Stella holte tief Luft und zwang sich zur Ruhe. Sie würde keine Kraft mehr in einen weiteren Streit verschwenden.
Sie schluckte den Schmerz hinunter, beugte sich vor und nahm eine verschlossene Schatulle aus der Schublade, die sie ihm reichte. „Hier. Ein Geschenk.“
Darin lagen die bereits unterschriebenen Scheidungspapiere. Ihr letztes Geschenk. „Du musst das Passwort erraten, um es zu öffnen“, sagte sie tonlos.
Marc warf der Schatulle einen flüchtigen Blick zu, hielt es für eines ihrer seltsamen kleinen Spiele und ließ sie achtlos auf den Tisch fallen. Dann zog er sie wieder an sich und legte sein Kinn auf ihre Schulter. „Du bist das einzige Geschenk, das ich will.“
Stella versteifte sich unwillkürlich. Marc bemerkte es und lachte leise.
„Immer noch eingeschnappt, weil ich unseren Hochzeitstag verpasst habe? Die Arbeit war verrückt“, murmelte er und hauchte ihr einen Kuss auf die Wange.
Dann ließ er sie los, zog eine kleine Schachtel aus seinem Mantel und reichte sie ihr.
„Gefällt sie dir?“
Darin lag eine Haarnadel, zart und vergoldet, eindeutig maßgefertigt mit großer Sorgfalt im Detail.
„Ich habe sie extra für dich anfertigen lassen. Du hast solche Dinge doch schon immer gemocht, oder? Probier sie an.“
Seine Stimme trug diesen vertrauten Ton aus Kontrolle und Zuneigung.
Früher hatte allein dieser Klang genügt, um ihre Entschlossenheit schmelzen zu lassen.
In ganz Choria glaubte man, Marc verwöhne seine Frau.
Auch Stella hatte das lange geglaubt.
Wären da nicht die Fotos auf ihrem Handy, hätte sie sich von diesem Geschenk vielleicht wirklich berühren lassen.
Das Mädchen auf den Bildern war Anfang zwanzig, hübsch und selbstbewusst, mit koketten Augen und langen, welligen Haaren, die mit derselben Haarnadel hochgesteckt waren, die nun vor Stella lag. Die lockere Frisur enthüllte ihren glatten Hals, der von Knutschflecken gezeichnet war.
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