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Elodie saß auf der Kante des Untersuchungstisches. Ihre Fingerknöchel traten weiß hervor, wo sie den Riemen ihrer Handtasche umklammerten, und das Leder schnitt ihr in die Handfläche.
Der Arzt sah sie nicht an. Er scrollte durch Daten auf seinem iPad, sein Gesicht vom künstlichen blauen Licht erhellt.
„Die Gebärmutterschleimhaut ist schwer geschädigt, Mrs. Schneider", sagte er. Seine Stimme war monoton, professionell, frei von jeglicher Wärme. „Wie wir bereits besprochen haben, sind die Stresslevel wahrscheinlich ein mitwirkender Faktor bei der Abstoßung."
Elodie öffnete den Mund, aber ihre Kehle fühlte sich an, als wäre sie mit trockener Watte ausgestopft. Sie wollte fragen, warum. Sie wollte fragen, ob es irgendetwas gab, was sie in den letzten achtundvierzig Stunden anders hätte tun können.
Aber der Arzt stand bereits auf. Er tippte auf den Bildschirm seines Geräts und legte es auf die Theke.
„Ruhen Sie sich ein paar Wochen aus. Meine Sprechstundenhilfe wird Sie hinausbegleiten."
Er wartete nicht auf eine Antwort. Er ging zur Tür hinaus, mental bereits auf den nächsten VIP-Patienten im Nebenzimmer vorbereitet, und ließ Elodie allein mit dem Summen der Klimaanlage und dem dumpfen Schmerz in ihrem Unterleib zurück.
Sie ging hinaus zum Bordstein, wo der schwarze Maybach wartete. Der Fahrer, ein Mann, der seit zehn Jahren für die Familie Schneider arbeitete, blickte nicht in den Rückspiegel, als sie auf den Rücksitz glitt. Er drückte einfach einen Knopf, und die Trennscheibe fuhr mit einem leisen Zischen hoch und schloss sie in einem schalldichten Glaskasten ein.
Es war still. Zu still.
Elodie zog ihr Handy aus der Handtasche. Sie starrte auf den Bildschirm. Keyon.
Sie zögerte, ihr Daumen schwebte über der Anruftaste. Sie musste eine Stimme hören. Selbst wenn sie ungeduldig wäre. Selbst wenn sie kalt wäre. Sie musste einfach jemandem sagen, dass es kein Baby gab, dass es niemals ein Baby geben würde.
Sie drückte auf Anrufen.
Es klingelte einmal.
Klick.
Der Bildschirm wurde schwarz und leuchtete dann sofort mit einer automatisierten Textnachricht auf.
In einer Besprechung.
Elodie ließ das Handy in ihren Schoß fallen. Sie starrte aus dem getönten Fenster, während die Stadt verschwommen vorbeizog und der graue Stahl der Wolkenkratzer zu der Taubheit passte, die sich in ihrer Brust ausbreitete.
Als sie auf dem Anwesen der Schneiders ankam, ragte das Haus über der Auffahrt auf wie ein Mausoleum. Es war ein massives Bauwerk aus Stein und Glas, entworfen, um zu beeindrucken, nicht um Geborgenheit zu spenden.
Sie ging hinein. Die Eingangshalle war kalt. Die Klimaanlage war immer auf zwanzig Grad eingestellt, weil Keyon es kühl bevorzugte.
Mrs. Lee, die leitende Haushälterin, eilte mit einem Stapel Leinenwäsche durch den Flur.
Sie hielt inne, als sie Elodie sah, fragte aber nicht nach dem Termin. Sie fragte nicht, warum Elodie aussah wie ein Geist.
„Mrs. Schneider", sagte Mrs. Lee in einem knappen Ton. „Sie haben das Abendmenü für morgen nicht genehmigt. Der Koch wartet."
„Es tut mir leid", flüsterte Elodie.
Mrs. Lee seufzte, ein kurzes, scharfes Geräusch der Verärgerung, und ging weiter den Flur entlang.
Elodie ging ins Hauptwohnzimmer. Sie setzte sich auf die Kante des Sofas, die Knie aneinandergepresst. Auf dem Marmor-Couchtisch lag Keyons Ersatz-iPad neben einem Kristalluntersetzer.
Es leuchtete auf.
Die Vibration auf der Steinplatte erzeugte ein leises Summen.
Elodie sah es an. Ein Benachrichtigungsbanner erstreckte sich über den Sperrbildschirm.
iMessage von Katina B.
Elodie spürte einen körperlichen Stoß in ihrer Magengegend, schärfer als die Krämpfe, mit denen sie den ganzen Morgen gekämpft hatte.
Sie streckte die Hand aus. Ihre Hand zitterte. Sie wischte über den Bildschirm. Der Passcode war 081588. Keyons Geburtstag. 15. August.
Es entsperrte sich.
Die Nachricht öffnete sich. Es war nicht nur Text. Es war ein PDF-Anhang mit dem Titel „Welcome Home, My Muse - Gala Planning".
Elodie tippte darauf. Das Dokument wurde geladen. Es war ein detaillierter Zeitplan für eine Party heute Abend. Eine Feier für Katina Bartletts Rückkehr nach New York. Der Veranstaltungsort war ein privater Club in Tribeca.
Das Datum war heute.
Heute war ihr dritter Hochzeitstag.
Sie scrollte nach oben.
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