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Ella wusste, dass der heutige Abend eine Falle war, aber sie hatte nicht erwartet, dass ihre Stiefschwester so schnell handeln würde. „Nur einen, der Form halber", sagte Chloe und zeigte das strahlende Lächeln einer liebevollen Stiefschwester für die Kameras in der Nähe. Sie drückte Ella ein Glas Champagner in die Hand. Das Kristallglas war eiskalt auf Ellas Haut, eine deutliche Warnung vor der sich nähernden Gefahr.
Ellas Finger umklammerten den Stiel. Sie wollte ihn nicht, aber in der erdrückenden Hitze des Ballsaals des Waldorf Astoria würde eine Ablehnung eine Szene verursachen. „Schon gut."
Sie nahm einen kleinen Schluck. Der Champagner war zu süß, widerlich süß. Ein seltsamer Nachgeschmack überzog ihre Zunge.
Chloes Lächeln verbreiterte sich, ein räuberischer Glanz in ihren Augen. „Siehst du? Gar nicht so schlimm."
Wenige Minuten später begann die Hitze. Es war nicht die Wärme des Raumes oder das Gedränge der Körper. Es war ein Feuer, das tief in ihrem Bauch begann und sich ihren Rücken hinaufleckte. Die Kronleuchter über ihr verschwammen, ihr Licht zersplitterte in tausend schmerzhafte Scherben. Ihr Atem stockte.
Sie kannte diesen Geschmack. Sie kannte diese Hitze. Man hatte ihr Drogen verabreicht.
Chloes Hand lag plötzlich auf ihrem Arm, ihr Griff überraschend stark. „Du siehst nicht gut aus, Schwester", flüsterte sie, ihr Atem heiß an Ellas Ohr. „Ich habe eine Überraschung für dich. Du wirst sie lieben."
Sie begann, Ella in Richtung Ostflügel zu ziehen, zu Zimmer 3302, wo Ella mit einer erschütternden Gewissheit wusste, dass Reporter warteten. Die Droge war jetzt ein Lauffeuer, verbrannte ihre Adern, ließ ihre Haut kribbeln. Doch ein ursprünglicher Adrenalinstoß, reine Wut, durchbrach den Schleier.
„Nein", knurrte Ella, das Wort riss sich aus ihrer Kehle.
Sie riss ihren Arm aus Chloes Griff und stieß ihre Stiefschwester heftig weg. Chloe stolperte zurück, ihr perfektes Lächeln wich einem Ausdruck des Schocks. Das war die einzige Öffnung, die Ella brauchte.
Sie rannte.
Sie stürzte sich in den überfüllten Korridor, bewegte sich in die entgegengesetzte Richtung, ihr geliehenes Kleid verfing sich um ihre Beine. Ihr Körper schrie nach etwas, einer Befreiung, die sie ihm verweigerte. Sie musste einfach weg.
Ein Zimmerservice-Wagen stand ihr im Weg. Sie zögerte nicht und stieß ihn mit all ihrer Kraft um. Er krachte mit einem Klirren von Metall und zerbrechendem Porzellan um, wodurch eine Wand des Chaos hinter ihr entstand. Leute schrien. Es verschaffte ihr Sekunden.
Am anderen Ende des Flurs stand eine Tür einen Spalt offen. Die Presidential Suite. Es war ein dunkler Schlund, eine potenzielle Falle, aber es war besser als die Hölle, die hinter ihr wartete. Ein Rettungsanker.
Sie warf ihren Körper gegen das schwere Holz und stolperte hinein, schlug die Tür hinter sich zu.
Die Suite war dunkel, nur beleuchtet von der ausgedehnten Galaxie der Lichter von New York City durch die bodentiefen Fenster. Ein Mann stand vor ihnen, eine große, imposante Silhouette vor der Skyline. Er strahlte eine Aura absoluter Stille aus, eine gefährliche Energie, die die Luft knistern ließ.
Er drehte sich beim Geräusch ihres Eindringens um. Selbst im schwachen Licht spürte sie die arktische Kälte seines Blicks.
Donovan Sinclair duldete keine Eindringlinge. Sein ganzes Leben war eine Festung, gebaut, um Menschen fernzuhalten, eine Notwendigkeit, die durch eine seltene psychische Erkrankung bedingt war, die die Berührung anderer unerträglich machte, ein kribbelndes, abstoßendes Gefühl auf seiner Haut.
Doch die Frau, die gerade in sein Refugium gestürmt war, dachte an nichts davon. Die Droge hatte die Vernunft ausgelöscht. Ihr Körper war ein Inferno. Sie sah den Mann, und ihr gebrochener Verstand lieferte die einzige Antwort, die er konnte: Das war Chloes „Überraschung".
Sie taumelte auf ihn zu, ein Schluchzen aus Schmerz und Wut entwich ihren Lippen.
Donovans Hand ging zum Intercom an der Wand, sein Finger schwebte über dem Knopf, um die Sicherheit zu rufen. Er würde sie rauswerfen lassen. Brutal.
Dann berührte sie ihn.
Ihre kleine, fieberheiße Hand umklammerte seinen Unterarm. Und nichts geschah.
Es gab keine Abscheu. Kein kribbelndes Gefühl auf der Haut. Keinen gewaltsamen Drang zurückzuzucken. Es gab nur die sengende Hitze ihres Körpers und das seltsame, fremde Gefühl der Berührung einer Frau, das sich nicht wie eine Verletzung anfühlte.
Er erstarrte.
Sie klammerte sich an ihn wie eine Ertrinkende an ein Stück Treibholz, flüsterte Flüche vor sich hin. Ihr Körper zitterte, ihre Haut strahlte eine verzweifelte Hitze aus.
Sein Assistent, Ethan Price, trat aus einem angrenzenden Zimmer. „Sir, soll ich...?"
Donovan brachte ihn mit einem einzigen, scharfen Blick zum Schweigen.
Zum ersten Mal seit über zwanzig Jahren berührte ihn eine Frau, und seine Welt ging nicht unter. Eine seltsame, besitzergreifende Neugier, kalt und scharf, durchdrang seinen Schock. Er musste wissen, warum. Er musste diese Anomalie verstehen.
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