Von ihm verstoßen, von seinem Bruder beansprucht

Von ihm verstoßen, von seinem Bruder beansprucht

Hugo Schiada

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Ich stand in meinem weißen Hochzeitskleid vor dem Spiegel und wartete voller Vorfreude auf Kade, meinen Schicksalsgefährten. Um sicherzugehen, dass er mich für meine Seele und nicht für meine Macht liebte, hatte ich meine wahre Alpha-Natur verborgen und mich als schwache Omega ausgegeben. Doch statt meines Bräutigams betrat meine beste Freundin Selena das Zimmer. Sie zeigte mir triumphierend das frische, silberne Mal eines Wolfsbisses auf ihrem Handgelenk – das Zeichen, dass Kade mich für sie verstoßen hatte, nur um sich die politische Macht ihres Vaters zu sichern. Als ich fassungslos zu seinem Arbeitszimmer rannte, hörte ich seine kalten Worte durch den Türspalt. „Sie ist nur eine Omega, eine Schwäche für unser Rudel. Wir behalten sie als Haustier hier, sie braucht sowieso meinen Schutz.“ Er hatte unsere heilige Verbindung nicht nur verraten, er plante auch, mich als lebendes Denkmal meiner eigenen Demütigung unter der Herrschaft seiner neuen Gefährtin gefangen zu halten. Ein tiefer, schneidender Schmerz durchfuhr meine Brust, als das Schicksalsband zwischen uns zerriss. Meine Liebe zu ihm, meine jahrelange Treue – alles war wertlos. Meine Tarnung, die eigentlich seine wahre Liebe beweisen sollte, war ironischerweise der Grund für meinen Untergang geworden. Aber ich brach nicht weinend zusammen. Ich stürmte in den Raum, riss ihm die Wappenkette ab und stieß als angebliche Omega die formellen Worte der Zurückweisung aus – ein Ding der absoluten Unmöglichkeit, das ihn vor Schmerz in die Knie zwang. Dann zerschlug ich eine Whiskeyflasche an seinem Kopf, verließ das Rudelhaus und warf mich noch in derselben Nacht in die Arme seines mächtigsten Feindes: seines älteren, furchteinflößenden Bruders Rowan.

Von ihm verstoßen, von seinem Bruder beansprucht Kapitel 1

Aus Lioras Sicht:

Ich stand vor dem Ganzkörperspiegel, das weiße zeremonielle Kleid ein scharfer, hoffnungsvoller Lichtstreif in dem dämmrigen Zimmer. Kade und ich hatten es zusammen ausgesucht. Die Seide fühlte sich kühl auf meiner Haut an, ein Versprechen des reinen Segens der Mondgöttin.

Meine Finger fuhren das mit Silberfaden aufgestickte Wolfstotem über dem Herzen nach. In nur wenigen Stunden würde ich seine Luna sein. Die Mutter unseres Rudels. Eine Welle der Sehnsucht, so schneidend, dass es fast ein Schmerz war, überkam mich.

*Unser Gefährte! Kade! Beeil dich!* Meine innere Wölfin, Lyra, überschlug sich vor schwindelerregender Ungeduld in meinem Geist.

Ein sanftes Lächeln umspielte meine Lippen. Ich schickte ihr eine Welle der Ruhe. *Bald, Lyra. Es ist fast so weit.*

Mein Blick fiel auf den Schminktisch, auf das einzelne Schmuckstück, das auf dem Samttuch ruhte. Die Mondsteinkette meiner Mutter. Es war das Einzige, was sie mir hinterlassen hatte, nachdem mein Vater, ein mächtiger Alpha, sie für eine politisch vorteilhaftere Verbindung verstoßen hatte. Der Stein schien das Licht zu trinken, und seine milchigen Tiefen bargen eine stille Macht. Sie war meine ständige Erinnerung an das eine, wonach ich mich mehr als alles andere sehnte: eine Liebe, die nicht von Rang oder Macht abhängig war.

Ich erinnerte mich an die letzten Worte meiner Mutter an mich, ihre Stimme ein zerbrechliches Flüstern. *Lass niemals deinen Rang deinen Wert bestimmen, mein süßes Mädchen.* Ihr Schmerz hatte meine Entschlossenheit geschmiedet. Deshalb hatte ich mein wahres Ich verborgen, deshalb hatte ich mich als Omega ausgegeben. Ich musste wissen, dass Kades Liebe meiner Seele galt und nicht der Macht, die ihm eine hochrangige Alpha-Gefährtin bringen würde.

Ich hob die Kette an und schloss den Verschluss. Der Stein war kühl an meinem Hals, ein vertrautes Gewicht, das mich erdete.

Vom Fenster drang lautes Jubeln aus dem Hof des Rudelhauses herauf. Die Luft summte förmlich vor Feierlaune. Ich ging hinüber und blickte auf das Meer von Rudelmitgliedern hinab, die Girlanden aus Mondblumen arrangierten und silberne Laternen anzündeten. Ich stellte mir vor, wie ich dort unten neben Kade stand, seine Hand in meiner, und ihre Segnungen entgegennahm.

Die Erinnerung an unser erstes Treffen überfiel mich. Ein Rudellauf unter dem Vollmond, der Wind peitschte durch mein Haar. In dem Moment, als unsere Wölfe sich erblickten, durchfuhr mich ein urwüchsiger Ruck, so stark, dass er mich in die Knie zwang. Ein einziges Wort hatte in unser beider Geist widergehallt, eine seelentiefe Erklärung: *Meins!*

Kades Versprechen aus jener Nacht wärmte mich noch immer. „Liora, du bist mein einziges Mondlicht", hatte er geflüstert, seine Augen aufrichtig. „Es ist mir egal, ob du ein Alpha oder ein Omega bist. Es ist deine Seele, die mein Wolf erwählt hat."

Ein Schuldgefühl stach in mir auf. Meine Prüfung kam mir jetzt fast grausam vor. Ich beschloss auf der Stelle: Nach der Zeremonie würde ich ihm die Wahrheit sagen. Ich würde meine wahre Alpha-Natur als Überraschung enthüllen, als Geschenk für den Mann, der mich für die liebte, die ich war, nicht für das, was ich war.

Ein scharfes, hastiges Klopfen an der Tür zerriss meine Träumerei.

Mein Herz machte einen Sprung. Kade. Er war zu früh. Ein ausgelassenes, süßes Lächeln breitete sich auf meinem Gesicht aus, als ich zur Tür eilte.

Ich riss sie auf, mein Atem stockte, bereit, ihm in die Arme zu fallen. Aber es war nicht Kade.

Es war meine beste Freundin, Selena Croft.

Sie stand da in einer schlichten, dunklen Tunika, ein krasser Gegensatz zur festlichen Stimmung. Ihr Gesicht war blass, ihre Augen weit aufgerissen und verstört.

Mein Lächeln gefror und verschwand von meinem Gesicht. „Selena? Was ist los? Du hast dich nicht umgezogen. Die Zeremonie beginnt gleich."

Sie antwortete nicht. Ihr Blick huschte über mich, ein giftiger Cocktail aus Emotionen wirbelte in ihren Tiefen – Eifersucht, Mitleid und ein Anflug von etwas, das erschreckend nach Triumph aussah.

Eine kalte Furcht begann, in meine Knochen zu sickern, schwer und erstickend. Mein Herz, das noch Momente zuvor geschwebt hatte, stürzte mir in den Magen. In meinem Kopf verstummte Lyra, ihre Ohren alarmiert angelegt.

Selena trat ein und drängte sich an mir vorbei. Sie griff zurück und schloss die schwere Eichentür. Der Riegel klickte mit einem endgültigen Geräusch ins Schloss, ein dumpfer Schlag, der mich von all der Freude und dem Feiern draußen abzuschneiden schien.

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Von ihm verstoßen, von seinem Bruder beansprucht Von ihm verstoßen, von seinem Bruder beansprucht Hugo Schiada Werwolf
“Ich stand in meinem weißen Hochzeitskleid vor dem Spiegel und wartete voller Vorfreude auf Kade, meinen Schicksalsgefährten. Um sicherzugehen, dass er mich für meine Seele und nicht für meine Macht liebte, hatte ich meine wahre Alpha-Natur verborgen und mich als schwache Omega ausgegeben. Doch statt meines Bräutigams betrat meine beste Freundin Selena das Zimmer. Sie zeigte mir triumphierend das frische, silberne Mal eines Wolfsbisses auf ihrem Handgelenk – das Zeichen, dass Kade mich für sie verstoßen hatte, nur um sich die politische Macht ihres Vaters zu sichern. Als ich fassungslos zu seinem Arbeitszimmer rannte, hörte ich seine kalten Worte durch den Türspalt. „Sie ist nur eine Omega, eine Schwäche für unser Rudel. Wir behalten sie als Haustier hier, sie braucht sowieso meinen Schutz.“ Er hatte unsere heilige Verbindung nicht nur verraten, er plante auch, mich als lebendes Denkmal meiner eigenen Demütigung unter der Herrschaft seiner neuen Gefährtin gefangen zu halten. Ein tiefer, schneidender Schmerz durchfuhr meine Brust, als das Schicksalsband zwischen uns zerriss. Meine Liebe zu ihm, meine jahrelange Treue – alles war wertlos. Meine Tarnung, die eigentlich seine wahre Liebe beweisen sollte, war ironischerweise der Grund für meinen Untergang geworden. Aber ich brach nicht weinend zusammen. Ich stürmte in den Raum, riss ihm die Wappenkette ab und stieß als angebliche Omega die formellen Worte der Zurückweisung aus – ein Ding der absoluten Unmöglichkeit, das ihn vor Schmerz in die Knie zwang. Dann zerschlug ich eine Whiskeyflasche an seinem Kopf, verließ das Rudelhaus und warf mich noch in derselben Nacht in die Arme seines mächtigsten Feindes: seines älteren, furchteinflößenden Bruders Rowan.”
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