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Siegfried, der Held by Rudolf Herzog
Wie Siegfried jung war, zu Mime in die Lehre kam, den Drachen erlegte und den Nibelungenschatz gewann
Wenn ihr den Rhein hinunterwandert, immer tiefer ins niederrheinische Land hinein, seht ihr aus der schweigenden Ebene eine altertümliche Stadt sich erheben, die zu tr?umen scheint. Xanten ist sie gehei?en, und sie tr?umt von ihrer gro?en Vergangenheit. Von alten, stolzen Zeiten, da noch ein K?nig hier herrschte weit bis nach Niederland hinein, da noch die Drachenschiffe nordischer Seer?uber vom Meere heraufkamen in den Rhein, und des K?nigs starke Ritter, die auf den Rheinwiesen ihre Rosse im Turniere tummelten, die Feinde erschlugen und ers?uften, da? es eine wilde Lust war. Hei, wie in den Heldentagen die Trompeten jauchzten, die Schwerter blitzten und die Schilde krachten, als k?mpfte ein herrlich Gewitter rheinauf und rheinab.
Das war die Zeit, da dem K?nig Siegmund und seiner K?nigin Siegelinde ein Sohn geboren wurde, und weil nach hei?en Siegen Friede herrschte, so nannten sie ihn Siegfried.
Wie ein junger Baum, den die G?rtner mit Flei? und Liebe hüten, wuchs der Knabe auf. Spielend lernte er die Aufgaben, die seine Lehrer ihm stellten, und war als Kind schon so klugen und hellen Geistes wie wenige vor ihm und nach ihm. Das tat, da? er nach den Schulstunden nicht in den Stuben hockte und sich nicht an Mutters Schürzenband h?ngte, sondern wie ein rechter Knabe, der ein ganzer Mann zu werden wünscht, durch Wiesen und W?lder rannte, die Stimmen aller Tiere erforschte und die Geschichten, die der Wald erz?hlt und die Wellen des Rheines raunen. So wurde nicht nur sein K?rper st?hlern und biegsam wie eine gute Klinge, sondern auch sein Blick wurde scharf und sein Geh?r hell und sein Denken rasch und sicher.
Mit zehn Jahren ritt er den wildesten Hengst ohne Zügel und Zaum, beschlich ihn auf der Weide, warf sich auf seinen Rücken und b?ndigte den rasend Dahinstürmenden mit eisernem Griff in die M?hne. Denn Furcht war ihm fremd, und wer furchtlos ist, bleibt Sieger im Leben.
Mit zw?lf Jahren besiegte er alle Edelknappen und Waffenknechte seines Vaters, und mit vierzehn Jahren ritt er heimlich zum Turnier der starken Ritter, mit geschlossenem Helmvisier, damit sie nicht wü?ten, da? es der Knabe Siegfried sei und sie ihn wegen seiner Jugend von der Bahn verwiesen, legte den Speer ein, den er sich aus dem Stamme einer jungen Esche geschnitzt hatte, und warf die stolzen Ritter aus dem Sattel, da? sie aus ihren Panzerstücken herausgesch?lt werden mu?ten, wie gesottene Krebse aus ihren Schalen.
Da trat er vor seinen Vater, den K?nig, und bat ihn: ?La?t mich in die Welt, Herr Vater, überall hin, wo Feinde sind und es für eine gute Sache zu fechten gilt.?
Der K?nig aber sprach: ?Die Kraft allein tut's nicht, um die Feinde zu b?ndigen, sondern ein weiser Sinn, der aus Feinden Freunde macht und dem Lande die Segnungen des Friedens beschert. Werde ?lter, mein Sohn, und du wirst mir meine Worte danken.?
Siegfried aber dachte: ?Er hat gut reden, der Herr Vater, denn sein Bart ist heute grau, und die Tage, in denen er selber mit Schwert und Speer auf die Feinde rannte, liegen hinter ihm. Wenn es Abend ist, kommen die Harfner in die Halle und singen von K?nig Siegmunds Taten. Da ist es leicht für ihn, zu verzichten und anderen vom Verzicht zu reden.?
Und er ging bekümmert umher und wu?te nicht aus noch ein mit seinem wachsenden Jugendmut.
An einem stürmischen Herbstabend hatte er sich wieder in die Halle geschlichen, in der K?nig Siegmund, von seinen Rittern umgeben, thronte und das Trinkhorn kreisen lie?. Der S?nger sa? mit der Harfe auf den Stufen des Thrones. Er sang von den K?mpfen der G?tter und Menschen. Von den Helden sang er, die das Land befreit hatten von R?ubern und Drachen. Von den Mutigen und Starken, die mit dem blanken Schwert ein K?nigreich erobert und die sch?nste Prinzessin zur Frau gewonnen hatten. Und er sang das alte Lied von den Goldsch?tzen des Zwergenk?nigs Nibelung, die von Fafner, dem greulichen Lindwurm, im Berge gehütet wurden und der erobernden Heldenfaust harrten.
Da ward's dem lauschenden Knaben hei? und hoch zu Sinn, und er fand in der Nacht keinen Schlaf und stand auf, kleidete sich an und trat vors Burgtor. Hui, ri? ihm der Sturmwind die Mütze vom Kopf, und er lief mit dem Sturmwind um die Wette, sie zu fangen, und jagte durch die schauernden Wiesen in die nachtdunklen W?lder hinein, die sich unerme?lich dehnten und in denen es schrie, jauchzte und winselte von tausend Stimmen der Nacht.
Siegfried aber lachte, da? es durch den Wald hallte, denn das gefiel ihm wohl. Und er packte einen jungen Eichbaum, bog ihn nieder, ri? ihn mitsamt der Wurzel aus und erschlug mit ihm, was sich in der Finsternis gegen ihn warf: einen schnaufenden Eber mit glei?enden Hauern, ein gewaltiges Einhorn mit glühenden Augen und eine Schlange, deren Lindwurmkopf rote Flammen und giftgrüne D?mpfe spie.
Und Siegfried schrie in den Sturm hinein: ?Das ist ein Leben! Ha, das ist ein Leben!?
Die Nebel brodelten auf, zerfetzten sich in den Kronen der B?ume und lie?en den d?mmernden Tag in den Wald hinein. Siegfried schaute sich um. Er mu?te über die Grenze in ein fremdes Land geraten sein, denn er fand sich nicht mehr zurecht. Das machte ihn noch einmal von Herzen lachen, denn nun konnte er wohl seine Tapferkeit vor den Menschen beweisen. Aber wie er weiter und weiter durch Dickicht und Gestrüpp den Weg sich bahnte, verspürte er pl?tzlich einen Hunger, der immer grimmiger in ihm wütete. Da lugte er, wo er den h?chsten Baum f?nde, und kletterte bis in den Wipfel, Ausschau nach einer Menschensiedelung zu halten, und seine scharfen Augen entdeckten bald den Rauch einer Hütte, die an einem flie?enden Wasser in einer Waldlichtung lag. Dorthin sprang er in weiten S?tzen.
Es stand ein Schmied vor der Tür, und Siegfried staunte ihn an. Denn der Mann hatte einen schweren, kurzgefügten K?rper mit einem gro?en H?cker zwischen den Schultern und einen verwitterten Kopf. Da? ein Mensch so h??lich sein konnte, tat dem sch?nen Knaben leid, und er wünschte dem verwachsenen Schmied recht fr?hlich einen guten Morgen.
Gerade hatte der Kleine mit Armen, die stark waren wie Hebeb?ume, einen Eisenbalken auf den Ambo? gew?lzt, als Siegfried ihn anrief. Er richtete sein wirrb?rtiges Gesicht auf, packte einen ungefügen Hammer und fragte: ?Was willst du hier??
?Ei,? rief Siegfried, ?was wird ein nüchterner Magen wollen? Eine Morgensuppe will er, wie sie dort auf Eurem Herde so appetitlich duftet.?
?Hand weg,? sagte drohend der Schmied. ?Mü?igg?nger brauchen nicht zu essen.?
?Ich will's Euch wohl beweisen, ob ich das Essen verdiene,? zürnte Siegfried. ?Habt Ihr was zu schaffen für mich??
Der Schmied reichte ihm den ungefügen Hammer und wies auf den Eisenbalken, der über dem Ambo? lag.
?Wenn dein Arm so stark ist wie dein Mundwerk -?
Da hob Siegfried wütend den Hammer und lie? ihn auf den Eisenbalken niedersausen, da? der in Stücken durch die Lüfte flog und der Ambo? eine Klafter tief in die Erde fuhr.
?Was ist das für ein Kinderspielzeug?? rief der starke Siegfried. ?Gebt mir M?nnerarbeit!?
Mit weitge?ffneten Augen starrte der Schmied auf den Zornigen. ?Nun k?nnt Ihr mich morden, Jungherr, denn Ihr habt die Waffe in der Hand.?
Siegfrieds Zorn aber war schon verraucht. ?Da habt Ihr sie wieder. Ich k?mpfe nicht mit Waffenlosen. Auch scheint die Natur Euch Armen so schwer mi?handelt zu haben, da? man Euch mit Liebe begegnen mu?.?
Der Mi?gestaltete sah ihn noch immer an. Aber in seinen Augen war ein warmes Aufleuchten.
?Reicht mir die Hand. Ihr k?nnt nur Siegfried sein, der junge Held, von dessen St?rke schon heute die S?nger Kunde tun. Nun aber wei? ich, da? Ihr in Wahrheit ein Ritter seid. Denn Ihr habt ein reines und gütiges Herz.?
?Und wer seid Ihr?? fragte Siegfried.
?Ich bin Mime, der Schmied. Bleibt bei mir, so lange es Euch gef?llt, und ich will Euch viele Künste lehren.?
Da blieb Siegfried bei Mime im Walde und wu?te nicht, da? es ein Jahr ward und ein zweites und drittes, so lief die Zeit dahin wie ein Wunder und wurde von Meister und Schüler weidlich genützt. War Siegfried als Knabe stark gewesen, so wurde er als Jüngling ein Hüne an Kraft und doch geschmeidig wie der schnellfü?igste Hirsch. Er lernte den B?ren mit den F?usten fangen und ihn am Bratfeuer ohne Messer und Spie? zerrei?en und zerlegen. Das frische Blut trank er wie einen Becher Rotwein und geno? zum Wildbret eine Fülle von saftigen Wurzeln und Kr?utern, die ihn vor jeder Krankheit bewahrten. T?glich aber unterrichtete ihn Mime in der h?chsten Kunst des Waffenhandwerks und lehrte ihn die feinsten Handgriffe und die Vollendung in Ansturm und Abwehr, so da? ein einzelner leicht ein Dutzend best?nde.
Es stand ein Ro? im Stall, das stammte von den Rossen Wotans, auf denen einst die Walküren ritten, und hie? Grane. Das schenkte Mime seinem Z?gling. Und Helm und Panzer schmiedete er ihm und ein Schwert, das durch h?rtestes Eisen schnitt wie durch einen Butterklo?, und das Schwert hie? Balmung. Wie da Siegfrieds Augen leuchteten!
?Vater Mime,? fragte er, ?weshalb macht Ihr mich so reich??
Und der Mi?gestaltete sprach: ?La? es dir gefallen, mein junger Held. Keiner auf der Welt hat mir Liebe geschenkt als du. Ist es da nicht verst?ndlich, da? ich dir auf meine Art davon zurückgeben m?chte??
Siegfried err?tete. ?Ich habe es nicht um Lohn getan.?
Und der Schmied sprach weiter: ?Gerade deshalb bist du des Lohnes würdig. Aber ich wei?, da? deine junge Ritterseele nicht nach Lohn giert, der dir ohne Kampf und Zutun in den Scho? f?llt. Den echten Mann erfreut nur der Besitz, den er sich selbst erobert hat. Deshalb schuf ich dir nur die Waffen. Dein Werk sei nun, den Schatz zu gewinnen. Und jetzt h?re mich an.?
Da erz?hlte Mime, der Schmied:
?Es war ein K?nig mit Namen Nibelung, der besa? den reichsten Schatz der Erde an Gold und Edelgestein. Mein Bruder Fafner und ich gewannen ihn durch List; doch als es zwischen uns zur Teilung kommen sollte, h?hnte mich der arge Bruder wegen meiner Mi?gestalt und bedrohte mein Leben. Da entfloh ich vor dem Treulosen und bü?te in dieser Waldesein?de meine Habgier. Fafner aber hielt sich von Stund an für reicher und m?chtiger als die G?tter in Walhalla, erzürnte die Himmlischen und wurde zur Strafe in einen scheu?lichen Lindwurm verwandelt. Wo sich am Rhein das Land der Sieben Berge erstreckt, gewahrst du den steil zum Strome abstürzenden Felsen, der seine Wohnung bildet. Hier hütet der Drache seine Sch?tze, tief in einer Felsenburg, in der tausend gefangene Nibelungenritter die Wache halten. Und das gefr??ige Untier, das schon seinen Goldhunger nicht zu stillen vermochte, wirft sich auf die Bauern des Gebirges und verschlingt sie bei lebendigem Leibe, immer w?hnend, es schl?nge Gold. Nun mach du dich auf, mein Sohn, bestehe das Abenteuer und gewinne den Schatz. Aber hüte dich vor dem Ring, den der Drache an der Klaue tr?gt. Nibelung trug ihn und verfluchte ihn, als er ihm von Fafner entrissen wurde. Vergrabe ihn tief im Bauche der Erde oder wirf ihn ins Meer, wo sein Schlund am schw?rzesten g?hnt.?
Das versprach Siegfried, lie? sich von Mime wappnen und das Schwert gürten, nahm mit Ku? und Umarmung Abschied von seinem Pflegevater, bestieg das Ro? Grane und ritt singend in die Welt.
So aber sah Siegfried aus, als er, Mann geworden, singend auszog, ein Held zu werden: Um Hauptesl?nge überragte er die Menschen. Goldrot flog ihm das Haar um den Kopf, als h?tte er die Sonne in seinen Locken gefangen. Stahlblau blickten seine Augen, und so froh und weich ihr Glanz in guten Tagen zu sein vermochte, so dr?uend und blitzend konnten sie funkeln und flammen, schien dem Helden eine Sache nicht recht. Wohlgebildet war sein K?rper, da? es den Frauen eine Wonne wurde, ihn zu schauen, sein Arm eisern und seine Schenkel von unermüdlicher Kraft auf dem Pferderücken und im Weitsprung hinter der Wurfscheibe her.
Wohin er kam, staunten die Leute dem jugendsch?nen Recken nach, und sein Bild machte aller Herzen fr?hlich. Er aber zog singend durch die Lande, als w?re er der Frühling.
So nahte er sich dem Siebengebirge und sah den Drachenfels wie eine Festung über dem Strome lagern.
?Ei, mein Ro? Grane,? rief er lachend, ?wollen wir heute noch den Strau? wagen? Verschiebe nicht auf morgen, was du heute noch verrichten kannst.? Und das edle Ro? Grane flog wie ein Pfeil ins Gebirge hinein.
Immer dunkler und dichter wurden die W?lder. Kein Mensch war hier gegangen seit Jahren und Jahren. Unheimlich lastete die Einsamkeit, und ger?uschlos fast, als verstünde es die Gefahr, setzte das Ro? Grane Huf vor Huf.
Da lag die kahle H?he des Felsen.
Das Ro? erschauerte. Ein Dampf quoll auf, der in St??en den Himmel verfinsterte, und ein giftiger Brodem erfüllte die Luft und stach in die Lungen.
Siegfried zog das Helmband fester und lockerte den gewaltigen Eschenspeer, der von der Spitze bis zum Schaft mit zweischneidigem Eisen beschlagen war. Mit der Linken tastete er nach seinem guten Schwert Balmung, strich beruhigend seinem Pferde über den Kopf und lenkte es behutsam um einen Felssturz.
Da lag das Untier, an die hundert Fu? lang, mit dem Kopfe eines Krokodils, den Krallen eines L?wen und dem schuppigen Schwanze eines fürchterlichen Wurmes. Es schlief.
?Pfui,? sagte Siegfried und h?tte gern das Wort zurückgenommen. Denn vom Klange seiner Stimme war der Drache erwacht, glotzte aus vorquellenden Augen den tollkühnen Ritter an, ?ffnete den Rachen und - lachte ein grausenerregendes Lachen.
Das erbitterte den Helden, denn er spürte den Hohn.
?Schlie?e den Schnabel, du Vieh!? rief er zornig. ?Dein Atem riecht übel. Warte, ich sperr' ihn dir!?
Und er bog den Arm zurück, sprengte vor und schleuderte den eisenbeschlagenen Speer dem Drachen ins Maul, da? nur noch das Ende des Schaftes hervorwippte. Das Untier aber erhob sich, würgte und spie den Speer mit solcher Wucht zurück gegen Siegfrieds auffangenden Schild, da? sich das Ro? auf die Hinterbeine setzte und sich überschlagen h?tte, w?re Siegfrieds zwingende Hand nicht so stark gewesen. Jetzt aber ging der Drache zum Angriff vor. Er brüllte, da? die Felsen erdr?hnten und das Gestein ringsum zersprang. Und bei jedem Atemzug schossen lodernde Flammen aus seinem Rachen, da? der Held vor Hitze schier glaubte verkommen zu müssen. Den Gaul ri? er herum, um dem sengenden Qualm zu entgehen. Da holte der Lindwurm mit dem Schuppenschwanze zum Schlage aus. Aber das Ro? Grane stieg hoch und schwang sich wie ein Vogel über den Rücken des Ungetüms, hinüber und wieder herüber, wie die Schl?ge des Schwanzes fielen, und Siegfried holte sein Schwert Balmung aus der Scheide, und pl?tzlich beugte er sich vom Rücken des springenden Rosses tief hinab, der Stahl pfiff durch die Luft und durchhieb den Schwanz des Untiers, da? er losgetrennt gegen die Felswand klatschte. Heulend fuhr der Drache in die H?he, und ein Prankenschlag traf den Steigbügel und ri? Siegfried vom Pferd.
?Ich will's dir vergelten, du Nimmersatt.? rief der Held und sprang zu Fu? den Drachen an. Aber die Glut, die ihm entgegenstr?mte, war so furchtbar, da? ihm die Panzerschnallen schmolzen und der Harnisch von seinem K?rper fiel. ?So ist's bequemer,? lachte grimmig der Held und lie? den Balmung wie einen Wirbel tanzen. Schon lief ihm der Schwei? in Str?men über den Leib, schon fühlte er das Mark im Arm verdorren vor der h?llischen Hitze, und immer noch war der Drache überm?chtig. Da gewahrte er an der Klaue des Lindwurms einen blitzenden Ring, den Ring des K?nigs Nibelung. Und er nahm seine letzte Kraft zusammen, duckte sich, sprang vor, warf sich an des Untiers Kehle und durchschlug mit sausendem Querhieb die zum Schlag erhobene Tatze, da? die Krallen mit dem Ringe in die Steine flogen.
Einen einzigen Schrei tat der Drache. Einen Schrei, wie ein Verdammter schreit. Und brach in seinem Blute tot zusammen.
Held Siegfried stützte sich auf seinen Schwertknauf. Die Zunge lag ihm trocken im Munde. Einen Trunk mu?te er tun, wollte er nicht verdursten, und er beugte sich über das Drachenblut und sch?pfte mit der Hand. Als er aber die Hand zurückzog, war sie, soweit er sie in das Blut getaucht hatte, wie mit einer Hornhaut überzogen. Da erkannte sein scharfer Sinn sofort das Wunder, und er warf die Kleider ab und badete den ganzen Leib in dem Blute, so, da? sein ganzer K?rper h?rnern wurde und undurchdringlich für Hieb und Stich. Nur zwischen den Schulterbl?ttern blieb eine kleine Stelle frei. Ein Lindenblatt hatte sich im Walde gel?st und war ihm beim Baden angeflogen.
Siegfried badet im Blut des Drachens
Angetan mit seinen Kleidern, das Schwert Balmung in der Hand, schritt der Held zum Eingang der Felsenburg. Mit dem Fu? stie? er an die abgehauene Klaue, und als er den Ring blitzen sah, bückte er sich, zog ihn von der Kralle und streifte lachend das Kleinod an seinen Finger. ?Aufgemacht!? rief er und schlug mit dem Schwert gegen das Eisentor.
Blitzschnell ?ffnete sich das Tor, und ein Hagel von Schwerthieben fiel auf den Recken nieder, da? er des Todes gewesen w?re, h?tte ihn die h?rnerne Haut nicht geschützt. Hageldicht fielen die Hiebe, und doch gewahrte er niemanden, der sie schlug. Da griff er blindlings geradeaus und nach rechts und nach links, und pl?tzlich hielt er einen Bart in seiner Faust und fühlte wohl, da? er an dem Barte einen Menschen herumschwang, und er schlug diesen unsichtbaren Menschen gegen die steinernen Torpfosten, bis eine Stimme kl?glich um Erbarmen bat.
?Zeig' dich,? rief Siegfried, ?oder ich fresse dich an diesem Bart mit Stumpf und Stiel.?
Da rieselte es wie ein Nebel zu seinen Fü?en nieder, und er hielt in den H?nden einen eisengeschienten, kriegerischen Zwerg, der an seinem eigenen Barte zappelte.
?Wer bist du?? befragte ihn Siegfried. ?Und was machte dich unsichtbar??
Und der Zwerg st?hnte: ?Ich hei?e Alberich und bin der Führer der Nibelungenritter, die der greuliche Fafner sich dienstbar machte. Wenn ich Euch schlug, tat ich, was meine Pflicht mir gebot. Habt ein Einsehen deshalb, so Ihr selber ein Ritter seid. Und ich weise Euch die Tarnkappe, die ihren Tr?ger unsichtbar macht vor den Menschen.?
?Schw?re mir,? sagte Siegfried, ?da? du fortan in Treuen mein Dienstmann sein willst mit deinen Rittern, und ich will euch ritterbürtig halten. Schw?re getrost. Denn ich habe euch von eurem Bedrücker befreit.?
Da beugte Alberich das Knie, überreichte die Tarnkappe und schwur sich mit seinen Mannen Siegfried in die Hand. Und die tausend Nibelungenritter eilten herbei, schlugen Schilder und Schwerter zusammen und huldigten ihrem Befreier und ritterlichen Herrn mit brausendem Jauchzen.
Alberich aber führte Siegfried durch die gewaltigen Schatzkammern und wies ihm den Nibelungenhort, der so reich war an Gold und Edelgestein, da? es mehr als hundert Leiterwagen bedurft h?tte, um ihn von dannen zu führen.
Wie Siegfried da fr?hlich lachte!