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Mein Weg als Deutscher und Jude

Chapter 5 No.5

Word Count: 1925    |    Released on: 30/11/2017

nicht erdrückt zu werden, flüchtete ich mich gern in die Vorstellung, da? der Weltgeist für mich im

genzusetzen, schweigenden Trotz, schweigendes Anderssein. Zwei Freunde halfen mir, jeder i

tes. M?glich, da? der Freund mit mir von mir hingerissen wurde; er war weich, sentimental, eitel auf seine Sch?nheit; mir war er eine Zeitlang Idol. Wie ich zum Kaufmann bestimmt, wollte er Schauspieler werden, und da ich den künftigen Garrick der deutschen Bühne in ihm erblickte, war die Trag?die unser eigentliches Feld. Der Ehrgeiz erwachte in mir, meinem bewunderten Garrick ein Shakespeare zu werden, und ich ging selbst an die Verfertigung von Trauerspielen. Ich kannte keine Richtung oder Schule; es war Sturm und Drang in mir, aus mir, Pathos und überschwang aus eigenen Quellen, erfundene Welt voll Mord, Blutdurst, Raserei; und der Freund glaubte. In seinen Augen hatte ich schon die Unsterblichkeit erla

Im Wachstum zurückgeblieben, zwerghaft klein, war ihm der durchdringendste jüdische Verstand gegeben, eine F?higkeit, die Schw?chen und Bl??en der Menschen wahrzunehmen und zu gei?eln, die mich ihn fürchten lie?. Meine dicht

er zerpflückte mir Wort und Leistung, verd?chtigte das Bestreben sogar, und doch war ihm zu gefallen, von ihm gebilligt zu werden mein schmerzliches Bemühen. Nicht blo?, da? er Mi?trauen in meiner Umgebung s?te, rief er auch Schwanken in mir selbst hervor, und eingeschüchtert von seiner Beredsamkeit und Argumentierungskunst, d

rauen, fiebernd, berauscht, entselbstet vor meinen Manuskripten. Da? ich da lauter leeres Stroh drosch, ist nicht zu bezweifeln, aber es handelt sich in solchen Epochen der Entwicklung weniger um Qualit?t als um Intensit?t. Die Folgen waren h?usliche Auseinandersetzungen, Vorwürfe der Undankbarkeit, Besserungsversuche, Strafmandate, Predigten, Hohn. Da? in meinem abirrenden Treiben irgend Vernunft und Zukunft liegen k?nne, von der M?glichkeit

i oberfl?chlichem Urteil bedünken, als h?tte der Typus an Positivit?t des Geistes gewonnen, was er an Gutmütigkeit und Schliff verloren hat. Aber das ist nur Schein. Zieht man die Hülle weg, so steht ein Leugner da, jetzt wie vordem, ein Entg?tterter, ein Opportunist aus still nagender Verzweiflung, deren Wesen ihm freilich selber unbekannt ist. Seltsam, mit der n?mlichen Rückhaltlosigkeit wie an den jungen

sen wandte ich mich, bezaubert von der neuen Aussicht, an meinen Freund in München, schilderte ihm, wie die Dinge lagen, schrieb vorgreifend, da? ich m?glicherweise auf die Unterstützung meines Verwandten z?hlen k?nne und fragte, ob er mich aufnehmen, ob er mir beistehen, mich zum Examen vorbereiten würde. Die Antwort war über Erwarten herzlich und ermunternd; da

eute mit ausgelassenen Sp??en, lustigen Geschichten und unbedenklichen Hanswurstiaden in fortw?hrendem schallenden Gel?chter, in das auch die Schaffner einfielen. Alle die lachenden, feuchten Augen waren gespannt, dankbar-entzückt auf mich gerichtet, und ich erinnere mich noch eines mageren alten Bauern, der vor Lachen f?rmlich weinte, und einer Frau mit einem Korb, die mir von Zeit zu Zeit ?pfel zusteckte und meine Hand t?tsc

n den er mich bisweilen brachte, galt ich als traurig-komische Person, Wildling, armer Teufel, nach studentischen Begriffen unebenbürtig, Gegenstand der Geringsch?tzung auch insofern, als ich nicht zu trinken imstande war, und binnen kurzem sah ich mich in einer viel übleren Lage als vor der Flucht aus dem Hause des Onkels. Unter dem Schein der Obsorge und Voraussicht beging mein Freund die Verr?terei, vor seiner Reise in die Ferien an meinen Onkel zu schreiben, da? ich es mit den neuen Aufgaben nicht ernst nehme, und da? er infolgedessen meinem Tun und Treiben nicht l?nger Vorschub leisten wollte; die akademische Laufbahn sei mir nach seiner überzeugung verschlossen. Darauf wurde die Geldunterstützung, die ich bis dahin bezogen, eingestellt, und ich befand mich im Zustand der Hilflosigkeit und Verlassenheit, die noch um das Gefühl des Zweifels an der Zukunft vermeh

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Mein Weg als Deutscher und Jude
Mein Weg als Deutscher und Jude
“Dieses eBook wurde mit einem funktionalen Layout erstellt und sorgfältig formatiert. Die Ausgabe ist mit interaktiven Inhalt und Begleitinformationen versehen, einfach zu navigieren und gut gegliedert. Jakob Wassermann (1873-1934) war ein deutsch-jüdischer Schriftsteller. Er zählte zu den produktivsten und populärsten Erzählern seiner Zeit. Neben den Romanen schrieb Wassermann erfolgreiche Biographien (Christoph Columbus, 1929) und setzte seine Essayistik fort, in der er sich immer wieder auch mit der Existenzform des Juden in nichtjüdischer Umgebung befasste (Mein Weg als Deutscher und Jude, 1921) - zuletzt noch in den 1933, dem Jahr seines Ausschlusses aus der Preußischen Akademie der Künste, herausgekommenen Selbstbetrachtungen. Gleichzeitig mit der Bücherverbrennung 1933 in Deutschland wurden seine Bücher verboten, obwohl er bis dahin einer der meistgelesenen Autoren gewesen war. Das bedeutete für ihn nicht nur den materiellen Ruin, sondern vor allem den Zusammenbruch seiner lebenslang gehegten Hoffnungen, durch sein Werk mithelfen zu können, eine Welt des Friedens ohne nationale Spannungen und ohne Rassenhass aufzubauen. Aus dem Buch: "Niemals kann auch ein deutscher Dichter, und nun gar ein Romandichter (den Begriff gibt es erst seit zwanzig Jahren, vordem haben die Professoren nicht gestattet, daß man einen Romanschreiber Dichter nenne), im selben Sinn die Nation repräsentieren wie etwa Balzac Frankreich, Dickens England, Tolstoi Rußland repräsentiert hat. Der deutsche Epiker hängt in der Luft, er spielt im Dasein des Volkes keine Rolle, und zwingt er das Augenmerk und die Herzen dennoch zu sich, so spürt er zugleich einen sonderbaren öffentlichen Widerstand, eine ebenso sonderbare heimliche Abwehr, als ginge dies gegen den Ernst und die Würde."”
1 Chapter 1 No.12 Chapter 2 No.23 Chapter 3 No.34 Chapter 4 No.45 Chapter 5 No.56 Chapter 6 No.67 Chapter 7 No.78 Chapter 8 No.89 Chapter 9 No.910 Chapter 10 No.1011 Chapter 11 No.1112 Chapter 12 No.1213 Chapter 13 No.1314 Chapter 14 No.1415 Chapter 15 No.1516 Chapter 16 No.1617 Chapter 17 No.1718 Chapter 18 No.1819 Chapter 19 No.1920 Chapter 20 No.2021 Chapter 21 No.2122 Chapter 22 No.2223 Chapter 23 No.2324 Chapter 24 No.2425 Chapter 25 No.2526 Chapter 26 No.26